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Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH, Stuttgart

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Print:ISBN: 978-3-7910-4037-0Bestell-Nr.: 10249-0001
ePDF:ISBN: 978-3-7910-4039-4Bestell-Nr.: 10249-0150
ePub:ISBN: 978-3-7910-4038-7Bestell-Nr.: 10249-0100

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© 2017 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH
www.schaeffer-poeschel.de
info@schaeffer-poeschel.de

Umschlagentwurf: Goldener Westen, Berlin
Umschlaggestaltung: Kienle gestaltet, Stuttgart
Bildnachweis: shutterstock.com
Lektorat: Michael Bauer, Mainz
Redaktionsstand: Juli 2017
Satz: kühn & weyh Software GmbH, Satz und Medien, Freiburg

Oktober 2017

Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart
Ein Tochterunternehmen der Verlagsgruppe Handelsblatt

Vorwort zur 1. Auflage

Sofern die traditionelle ökonomische Theorie davon ausgeht, dass alle Produktionsfaktoren monetär bewertet werden können und eine Substituierbarkeit dieser Produktionsfaktoren unterstellt wird, müssten ökonomische Inputfaktoren durch soziale und/oder ökologische ersetzt werden können. Diese These lässt sich recht schnell wiederlegen: Erstens ist auf die Grenzen (und ggf. auch Gefahren) der Substituierbarkeit hinzuweisen. Zweitens ist es, zumindest zur Zeit, d. h. solange keine Alternativen existieren, so, dass sich bestimmte ökologische Ressourcen (Leistungen des Ökosystems), die verbraucht werden, nicht durch andere Möglichkeiten (z. B. Technik) ersetzen lassen, auch nicht von zukünftigen Generationen. Dass diese Irreversibilität vorliegt, ist hier der entscheidende Punkt. Solange es für bestimmte entscheidende Leistungen des Ökosystems keine Alternativen/Substitutionsmöglichkeiten gibt, sind diese Leistungen unter allen Umständen für den Menschen zu erhalten, wobei mit den Leistungen diejenigen gemeint sind, die dem Menschen sowohl direkt/unmittelbar als auch indirekt/mittelbar dienen.[2]

Die Natur und ihre Ressourcen stehen also nicht in unbegrenztem Ausmaß zur Verfügung, zumindest dann nicht, wenn keine Regeneration gegeben ist. Und doch wurden ökologische Systeme und Stoffkreisläufe in der Betriebswirtschaftslehre und unternehmerseitig als „Selbstverständlichkeit” und freie Güter angesehen. Da die Produkte und Leistungen der Natur zunehmend knapp werden (zunehmende Divergenz zwischen Angebot und Nachfrage; Letzteres auch infolge zunehmender Bevölkerungszahlen auf der Erde) und eine steigende Störanfälligkeit von Ökosystemen zu konstatieren ist, entstehen immer häufiger gesellschaftliche Kosten. Insofern macht es Sinn, die Nutzung der Natur, genauer: die Produkte und Leistungen der Natur (und Biodiversität) ökonomisch zu bewerten.[3]

Aus dem Vorstehenden leitet sich der normative Aspekt einer nachhaltigen und nachhaltigkeitsbezogenen Unternehmensführung ab. Unternehmen nutzen monetäre und nicht-monetäre Leistungen der Gesellschaft. Im Gegenzug wird von den Unternehmen eine Übernahme von Verantwortung für die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft im sozialen und ökologischen Bereich erwartet. Insofern lassen sich mit dem normativen Ansatz politische Regelungen und Anforderungen seitens der Stakeholder in einem gewissen Umfang rechtfertigen.

Der zweite Ansatz stellt den instrumentellen Zweck in den Vordergrund. Neben den gesetzlichen Vorgaben und den vorstehenden Grundhaltungen kann Nachhaltigkeit auch als Ursache für eine Gewinn- und/oder Werterhöhung angesehen werden. Somit sprechen eine Reihe von betriebswirtschaftlichen Gründen für ein nachhaltigkeitsbezogenes unternehmerisches Wirtschaften: etwa die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit, ein optimiertes Risikomanagement, sich bietende Kostensenkungspotenziale, eine steigende Marktbewertung des Unternehmens, höhere Chancen auf die Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter, das nachhaltigkeitsorientierte Vergaberecht sowie die Einhaltung gesetzlicher oder interner Mindestanforderungen, die sich zunehmend in den Compliance-Richtlinien des Unternehmens wiederfinden. Insbesondere das aktuell verabschiedete CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz macht deutlich, dass das Thema Nachhaltigkeit im Rahmen der Unternehmensführung und des Managements längst fester Bestandteil des Pflichtprogramms ist.[4]

In diesem Buch wird in den ersten drei Kapiteln grundlegend auf die Geschichte der Nachhaltigkeit, unterschiedliche Begriffe im Kontext des Nachhaltigkeitsmanagements als auch detailliert auf die Gründe für eine nachhaltigkeitsbezogene Unternehmensführung eingegangen. Nach einer kurz gehaltenen Beschreibung der nachhaltigkeitsorientierten Organisation werden die grundsätzlichen Nachhaltigkeitsstrategien beschrieben. Der Schwerpunkt der vorliegenden Abhandlung liegt auf der ausführlichen Darstellung der Dimensionen unternehmerischer Nachhaltigkeit und dem Nachhaltigkeitscontrolling mit Kennzahlen und qualitativen Leistungsindikatoren. Den steigenden Ansprüchen der Stakeholder auf nachhaltigkeitsbezogene Informationen entspricht ein Kap. zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Ein Praxisbeispiel zeigt abschließend, wie das Thema Nachhaltigkeit bei einem großen deutschen Automobilkonzern angegangen wird.

Das vorliegende Buch wendet sich an alle Leser, die sich in Studium oder Beruf mit Unternehmensführung/Management und insb. nachhaltigkeitsbezogenem Management (Corporate Sustainability) einschl. CSR beschäftigen. Es richtet sich an Dozenten und Studierende der Wirtschaftswissenschaften an (Fach-)Hochschulen, Universitäten und Berufsakademien. Es ist gleichermaßen zum Selbststudium für Führungskräfte geeignet, die einen fundierten theoretischen Background als auch konkrete Maßnahmenvorschläge und entsprechende Kennzahlen für ihre Entscheidungen im Unternehmen suchen.[5]

Im vorliegenden Werk wird explizit auf drei vor Kurzem verabschiedete Gesetze eingegangen. In der chronologischen Reihenfolge sind dies das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz vom 10.03.2017, das die Nachhaltigkeitsberichterstattung von „Unternehmen, an denen ein großes öffentliches Interesse besteht” (große kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften und haftungsbeschränkte Personengesellschaften sowie große Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen) regelt. Ein zweites Gesetz, das Entgelttransparenzgesetz (Gesetz zur Förderung der Entgelttransparenz zwischen Frauen und Männern, EntgTransG) vom 30.03.2017, soll helfen, etwaige Ungleichheiten bei der Bezahlung von Frauen und Männern aufzudecken. Am gleichen Tag wurde auch das Verpackungsgesetz (Gesetz zur Fortentwicklung der haushaltsnahen Getrennterfassung von wertstoffhaltigen Abfällen, VerpackG) verabschiedet, das die Verpackungsverordnung (VerpackV) zum 01.01.2019 ablöst.

Für zahlreiche Anregungen und Hinweise möchte ich mich bei Herrn Waldemar Janzen, B. A., sowie bei meiner wissenschaftlichen Hilfskraft, Herrn Daniel Jockwitz, B. A., und meiner studentischen Hilfskraft, Frau Tina von dem Brinke (cand. B. A.), herzlich bedanken, die mit außerordentlichem Fleiß und kreativen Ideen zum Gelingen des Buchs beigetragen haben. Mein besonderer Dank gilt Frau Prof. Brunhilde Steckler für die juristischen Hilfestellungen. Schließlich sei dem Lektor des Verlags, Herrn Michael Bauer, für die Begleitung im Rahmen des KVP (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess) gedankt.[6]

Für Anregungen, die der weiteren inhaltlichen und didaktischen Verbesserung dienen, bin ich dankbar.

Büren, im Juli 2017

Martin Wördenweber

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

AGAktiengesellschaft
a. a. O.am angegebenen Ort, am angeführten Ort
AEUVVertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union
AGGAllgemeines Gleichbehandlungsgesetz
AktGAktiengesetz
Anm.Anmerkung
Art.Artikel
ArzneimittelGGesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln (Arzneimittelgesetz)
Aufl.Auflage
AVVVerordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung)
AZAktenzeichen
BaFinBundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
BAGBundesarbeitsgericht
BattGGesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Batterien und Akkumulatoren (Batteriegesetz)
BBiGBerufsbildungsgesetz
BCGBoston Consulting Group
Bd.Band
BDABundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
BDIBundesverband der Deutschen Industrie
BDSGBundesdatenschutzgesetz
BGleiGGesetz für die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Bundesverwaltung und in den Unternehmen und Gerichten des Bundes (Bundesgleichstellungsgesetz)
BEPIBusiness Environmental Performance Initiative
bes.besonders
BetrAVGGesetz zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung (Betriebsrentengesetz)
BetrVGBetriebsverfassungsgesetz
BFHBundesfinanzhof
BGBBürgerliches Gesetzbuch
BGBl.Bundesgesetzblatt
BGHBundesgerichtshof
Bill.Billion
BIPBruttoinlandsprodukt
BMEBundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V.
BMIBundesministerium des Innern
BMFSFJBundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
BMJVBundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
BMUBBundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
BMWiBundesministerium für Wirtschaft und Energie
bspw.beispielsweise
BVerfGBundesverfassungsgericht
BVerfSchGGesetz über die Zusammenarbeit des Bundes und der Länder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes und über das Bundesamt für Verfassungsschutz (Bundesverfassungsschutzgesetz)
bzgl.bezüglich
bzw.beziehungsweise
ca.circa
CARBCalifornia Air Resources Board (Emissionsschutzbehörde Kaliforniens)
CCCorporate Citizenship (Unternehmerisches Bürgerengagement)
CCRCapital Requirements Regulation (Kapitaladäquanzverordnung)
CDLICarbon Disclosure Leadership Index
CDPCarbon Disclosure Project (Projekt zur Verringerung der Treibhausgase, heute eine Non-Profit-Organisation zur Veröffentlichung von Umweltdaten)
CERCertified Emission Reduction (zertifizierte Emissionsreduktion)
CICompetitive Intelligence (Konkurrenzbeobachtung), Corporate Identity (Unternehmensidentität)
CLPClassification, Labelling, Packaging (Einstufung, Kennzeichnung, Verpackung)
CO2Kohlendioxid
c. p.ceteris paribus
CSCorporate Sustainability (Nachhaltigkeitsmanagement)
CSBCorporate Sustainability Board (Nachhaltigkeitsmanagementgremium)
CSRCorporate Social Responsibility (unternehmerische Gesellschaftsverantwortung)
CVCorporate Volunteering (betriebliche Freiwilligenprogramme)
CVACash Value Added
Darst.Darstellung
DAX®Deutscher Aktienindex®
DDRDeutsche Demokratische Republik
DFBDeutscher Fußball-Bund e. V.
DFLDeutsche Fußball Liga GmbH
d. h.das heißt
Diss.Dissertation
DJSIDow Jones Sustainability Index (Dow-Jones-Nachhaltigkeitsindex)
DMADisclosures of Management Approach (Angaben zum Managementansatz)
DNKDeutscher Nachhaltigkeitskodex
DrittelbGGesetz über die Drittelbeteiligung der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat (Drittelbeteiligungsgesetz)
DSDDuales System Deutschland
DSGVODatenschutz-Grundverordnung
DSWDeutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e. V.
DVFADeutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management
Euro
E-Autoselektrisch betriebene Automobile
EAVEuropäisches Abfallverzeichnis
EBRGGesetz über Europäische Betriebsräte (Europäische Betriebsräte-Gesetz)
EEGGesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz)
EFFASEuropean Federation of Financial Analysts Societies (Europäischer Zusammenschluss nationaler Vereinigungen von Finanzanalysten)
einschl.einschließlich
EntgTransGGesetz zur Förderung der Entgelttransparenz zwischen Frauen und Männern (Entgelttransparenzgesetz)
EPAUnited States Environmental Protection Agency (amerikanische Umweltschutzbehörde)
ESGEnvironmental, Social and Governance Issues (Umwelt-, Sozial- und Untenehmensführungsthemen)
et al.et alii (und andere)
etc.et cetera
EUEuropäische Union
EuGHEuropäischer Gerichtshof
EUIPOEuropean Union Intellectual Property Office (Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum)
EUROSIFEuropean Sustainable and Responsible Investment Forum (Europäisches Forum für nachhaltige Geldanlagen)
e. V.eingetragener Verein
EVAEconomic Value Added (Wertsteigerungsbeitrag)
evtl.eventuell
f. bzw. ff.folgende, fortfolgende
FADFish Aggregation Devices (Fischkonzentrationsvorrichtungen)
FCKWFluorchlorkohlenwasserstoffe
FCPAUnited States Foreign Corrupt Practices Act (Anti-Korruptionsgesetz)
F&EForschung und Entwicklung
FFGFrauenförderungsgesetz Nordrhein-Westfalen
FTAForeign Trade Association (Außenhandelsvereinigung)
FührposGleichberGGesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst
FüPoGGesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst
gem.gemäß
GGGrundgesetz
g. g. A.geschützte geografische Angabe
ggf.gegebenenfalls
ghaGlobal Hectar(es) (globaler Hektar)
GmbHGesellschaft mit beschränkter Haftung
GRIGlobal Reporting Initiative
g. t. S.garantiert traditionelle Spezialität
g. U.geschützte Ursprungsbezeichnung
GuVGewinn- und Verlustrechnung
GWBGesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen
GwGGesetz über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten (Geldwäschegesetz)
HeilmittelwerbeGGesetz über die Werbung auf dem Gebiete des Heilwesens (Heilmittelwerbegesetz, HWG)
HG NRWGesetz über die Hochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen (Hochschulgesetz NRW)
HGBHandelsgesetzbuch
Hrsg.Herausgeber
i. d. R.in der Regel
ICCTInternational Council of Clean Transportation (Internationaler Rat für sauberen Verkehr)
IDWInstitut der Wirtschaftsprüfer Deutschland e. V.
IFGGesetz zur Regelung des Zugangs zu Informationen des Bundes (Informationsfreiheitsgesetz)
IFRSInternational Financial Reporting Standards (Internationale Rechnungslegungsvorschriften)
IHKIndustrie- und Handelskammer
ILOInternational Labour Organization (Internationale Arbeitsorganisation)
insb.insbesondere
IÖWInstitut für ökologische Wirtschaftsforschung
i. S. d.im Sinne des/der
ISOInternational Organization for Standardization (Internationale Organisation für Normung)
i. S. v.im Sinne von
i. w. S.im weiteren Sinne
Jg.Jahrgang
Kap.Kapitel
KartVOVerordnung (EG) Nr. 1/2003 des Rates vom 16. Dezember 2002 zur Durchführung der in den Artikeln 81 und 82 des Vertrags niedergelegten Wettbewerbsregeln (Kartellverordnung)
KGKommanditgesellschaft
KGaAKommanditgesellschaft auf Aktien
kmKilometer
KMUKleine und mittlere Unternehmen
KPIKey Performance Indicator (Schlüsselkennzahl)
KPMGKPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
KSchGKündigungsschutzgesetz
kWhKilowattstunde
LärmVibrationsArbSchVVerordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch Lärm und Vibrationen (Lärm- und Vibrationsschutzverordnung)
lat.Lateinisch
LFGBLebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch (Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch)
lt.laut
Ltd.Limited (Bezeichnung für eine haftungsbeschränkte Gesellschaft)
m3Kubikmeter
MARMarket Abuse Regulation (Marktmissbrauchsverordnung) (Verordnung (EU) Nr. 596/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16.04.2014 über Marktmissbrauch (Marktmissbrauchsverordnung) und zur Aufhebung der Richtlinie 2003/6/EG des Europäischen Parlaments und des Rates und der Richtlinien 2003/124/EG, 2003/125/EG und 2004/72/EG der Kommission)
μgMikrogramm
Mio.Million(-en)
MitBestGGesetz über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer (Mitbestimmungsgesetz)
mlMilliliter
mmMillimeter
μmMikrometer
MontanMitbestGGesetz über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in den Aufsichtsräten und Vorständen der Unternehmen des Bergbaus und der Eisen und Stahl erzeugenden Industrie (Montanmitbestimmungsgesetz)
Mrd.Milliarde(n)
MSCMarine Stewardship Council
n.nach
NachwVVerordnung über die Nachweisführung bei der Entsorgung von Abfällen (Nachweisverordnung)
NGONon-Governmental Organizations (Nichtregierungsorganisation, nichtstaatliche Organisation)
NMVOCEmissionen flüchtiger organischer Verbindungen ohne Methan
NPONon-Profit-Organizations (Nicht gewinnorientierte Organisationen)
Nr.Nummer
OECDOrganization for Economic Co-Operation and Development (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)
o. g.oben genannt(-e, -er)
o. J.ohne Jahresangabe
OLGOberlandesgericht
o. O.ohne Ortsangabe
o. V.ohne Verfasser
OWiGGesetz über Ordnungswidrigkeiten (Ordnungswidrigkeitengesetz)
p. a.pro anno (pro Jahr)
PAngVPreisangabenverordnung
PMParticulate Matter (Feinstaub)
PwCPricewaterhouseCoopers GmbH
resp.respektive
Rn.Randnummer
RNERat für Nachhaltige Entwicklung
ROCEReturn on Capital Employed (Ergebnis auf das eingesetzte Kapital)
ROIReturn on Investment
SDGSustainable Development Goals (Nachhaltigkeitsziele, Ziele nachhaltiger Entwicklung)
S.Seite
SEEuropäische Gesellschaft (Societas Europaea)
SECUnited States Securities and Exchange Commission (US-Börsenaufsicht)
SGB IIISozialgesetzbuch Drittes Buch – Arbeitsförderung
SGB IXSozialgesetzbuch Neuntes Buch – Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen
SISSustainability Image Score (Ranking des Nachhaltigkeitsimages)
s. o.siehe oben
sog.sogenannt(-e, -er, -en)
Sp.Spalte
sonst.sonstige(-r)
StGBStrafgesetzbuch
tZeit, Jahr(-e), Tonne(-n)
TA LärmSechste Allgemeine Vorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm)
TabakerzGGesetz über Tabakerzeugnisse und verwandte Erzeugnisse (Tabakerzeugnisgesetz)
TEHGTreibhausgas-Emissionshandelsgesetz
TMGTelemediengesetz
u.und
u. a.unter anderem, und andere
u. Ä.und Ähnliche(s)
UniUniversität
US-$US-Dollar
usw.und so weiter
u. U.unter Umständen
u. v. m.und viele(-s) mehr
UWGGesetz gegen den unlauteren Wettbewerb
v. a.vor allem
Verf.Verfasser
VergRModGGesetz zur Modernisierung des Vergaberechts (Vergaberechtsmodernisierungsgesetz)
VergRModVOVerordnung zur Modernisierung des Vergaberechts (Vergaberechtsmodernisierungsverordnung)
VerpackGGesetz zur Fortentwicklung der haushaltsnahen Getrennterfassung von wertstoffhaltigen Abfällen (Verpackungsgesetz)
VerpackG-EEntwurf für ein Gesetz zur Fortentwicklung der haushaltsnahen Getrennterfassung von wertstoffhaltigen Abfällen (Verpackungsgesetz)
VerpackVVerordnung über die Vermeidung und Verwertung von Verpackungsabfällen (Verpackungsverordnung)
vgl.vergleiche
WiStWirtschaftswissenschaftliches Studium (Zeitschrift)
WISUDas Wirtschaftsstudium (Zeitschrift)
WpHGWertpapierhandelsgesetz
z. B.zum Beispiel
ZfbFZeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung
ZPOZivilprozessordnung
z. T.zum Teil[7-13]

1   Geschichte der Nachhaltigkeit

Das Wort Nachhaltigkeit stammt vom Verb „nachhalten” ab. Allerdings wird dieses Verb im Deutschen recht unterschiedlich gebraucht. Zum einen bedeutet es „längere Zeit andauern, bleiben”1 oder „aufpassen, sich aufschreiben, überprüfen, nicht vergessen oder sicherstellen, dass etwas passiert”. Beide Interpretationen machen durchaus Sinn, wie die Entstehung und die Entwicklung des Worts im Laufe der Zeit zeigen. Demgegenüber weist das Adjektiv „nachhaltig” zwei unterschiedliche Bedeutungen auf:2

  1. anhaltend, lange nachwirkend, dauernd, sich auf längere Zeit stark auswirkend,

  2. nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit handelnd oder organisiert, auf Nachhaltigkeit beruhend, nachhaltigkeitsbezogen.

In der ersten Interpretation rückt die zeitliche Dimension, genauer die Tragweite von Entscheidungen in den Vordergrund. Nachhaltige Entscheidungen sind insofern hinsichtlich ihrer Tragweite mit strategischen Entscheidungen vergleichbar, als ihr die Attribute lange nachwirkend, dauernd, sich auf längere Zeit stark auswirkend, weitreichend, mit weitreichenden Folgen und grundsätzlich zugeordnet werden können. Diese Interpretation von „nachhaltig” zeigt sich u. a. bei der Befragung von Unternehmen, die darunter (auch) die „Erwirtschaftung einer langfristigen und kontinuierlich ausreichenden Liquidität und Rendite” verstehen.3[14] Diese Deutung findet sich auch im Steuerrecht. Der BFH definiert „nachhaltig” wie folgt: „Das vom Verb „nachhalten” (= längere Zeit anhalten, bleiben) abgeleitete Adjektiv „nachhaltig” bedeutet gemeinsprachlich: sich auf längere Zeit stark auswirkend.”4 Nachhaltiges Tätigwerden (als Unternehmer) liegt vor, wenn es um eine auf Dauer angelegte Tätigkeit zur Erzielung von Entgelten handelt.

Die zweite Bedeutung des Adjektivs „nachhaltig” bezieht sich auf das Thema Nachhaltigkeit mit den drei Zentralkategorien Ökonomie, Ökologie und Soziales.

Somit muss zwischen den Begriffen „nachhaltig” im ersten Bedeutungssinne und „nachhaltigkeitsbezogen” in der zweiten Bedeutung differenziert werden, da nachhaltigkeitsbezogene Maßnahmen sowohl mit vorübergehender als auch nachhaltiger Wirkung beschlossen und ergriffen werden können. In den meisten Fällen wird es sich bei nachhaltigkeitsbezogenen Entscheidungen um nachhaltige bzw. strategische handeln. Denkbar sind aber auch Maßnahmen mit einer kurzfristigen Tragweite, etwa bei Unfällen, einem Rezepturwechsel aufgrund gesetzlicher Vorschriften, bei einem in Kürze auslaufenden Produkt oder einem einmaligen Sponsoring einer Kulturveranstaltung. Die verschiedenen Handlungsebenen und Dimensionen verdeutlicht Darst. 1.[15]

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Darst. 1: Handlungsebenen und nachhaltigkeitsbezogene Dimensionen

Die Ausdrücke „Nachhaltigkeit” oder „nachhaltigkeitsbezogene Entwicklung” (Sustainable Development), die i. d. R. synonym verwendet werden, reichen schon viele Jahre zurück. Ihre Bedeutung hat sich im Laufe der Geschichte in verschiedenen Kulturen mehrfach geändert. So haben z. B. die Indianer schon „nachhaltigkeitsbezogen” (und auch „nachhaltig”) gelebt. Als Beweis dafür dient ein See in Südamerika mit dem Namen „Manchau gagog changau gagog chaugo gagog amaug”. Die sinngemäße Übersetzung hierfür lautet: „Wir fischen auf unserer Seite, Ihr fischt auf Eurer Seite und niemand fischt in der Mitte!” Diese „offensichtlich einfache Anweisung für den nachhaltigen Umgang mit lebensnotwendigen Ressourcen”5 zeigt, dass hinter Nachhaltigkeit eine Überlebensstrategie steht.

Der historische Ursprung des Begriffs der Nachhaltigkeit geht auf die Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts zurück. Von Carlowitz (1645–1714) veröffentlichte im Jahr 1713 sein Werk „Sylvicultura oeconomica, oder hauswirtschaftliche Nachricht und Naturgemäße Anweisung zur Wilden Baum-Zucht”, in dem er für eine nachhaltende Nutzung des Waldes plädiert.6 Um die wirtschaftliche Entwicklung nicht zu gefährden, sollte pro Jahr nicht mehr Holz geschlagen werden als nachwächst. Hier wird ersichtlich, dass die Rettung des Waldes nicht nur durch die Forstwirtschaft zu bewältigen ist, sondern als Aufgabe der Gesellschaft angesehen wird.[16]

Das heutige Leitbild der nachhaltigkeitsbezogenen Entwicklung wurde im Zeitraum 1972–1992 geprägt. Das zuvor bekannte ökologisch-ökonomische Prinzip der Naturbewirtschaftung wurde nun zu einem umfassenden Leitbild ausgebaut, das Umwelt und Entwicklung miteinander verknüpft.7

Im Jahr 1972 erschien die Studie „The Limits to Growth”.8 Diese wurde von 17 jungen Wissenschaftlern auf Initiative und mit Unterstützung des Club of Rome am Massachusetts Institute of Technology verfasst und bildet ein weiteres Fundament der heutigen Nachhaltigkeitsdiskussion. Innerhalb dieser Studie wurde mittels einer Computersimulation die Dynamik der Weltbevölkerung in Abhängigkeit der fünf bestimmten Variablen Bevölkerungswachstum, Industrieproduktion, Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen, Entwicklung der Nahrungsmittelressourcen und fortschreitender Umweltverschmutzung berechnet. Das Ergebnis war erschreckend und trug aus diesem Grund einen entscheidenden Schritt zur Begriffsentwicklung von Nachhaltigkeit bei.9

Ebenfalls 1972 hat die erste UNO-Weltkonferenz zur menschlichen Umwelt in Stockholm stattgefunden. Sie war die erste internationale Konferenz zu diesem Thema. Insgesamt haben 1.200 Vertreter aus 114 Staaten an der Konferenz teilgenommen. Gemeinsam wurde die „Declaration of Stockholm” erarbeitet und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Umweltschutz besiegelt. Alle teilnehmenden Nationen akzeptierten damit 26 Prinzipien für Umwelt und Entwicklung und die 109 Handlungsempfehlungen, die zur Umsetzung dieser Prinzipien dienen. Die erste UNO-Weltkonferenz wird als Weichenstellung für eine internationale Umweltpolitik gesehen, da sie zur erheblichen Steigerung der globalen Problemempfindung beigetragen hat.10[17]

Als weiterer Meilenstein der internationalen Nachhaltigkeitsdiskussion gilt der im Jahr 1987 veröffentlichte Bericht der „World Commission on Environment and Development” (WCED) mit dem Titel „Our Common Future”. Besser bekannt ist das Werk als „Brundtland-Bericht” .11 Der Bericht stellt die globalen Probleme und Herausforderungen zentral in den Vordergrund und bündelt sie in die vier grundlegenden Problemfelder:12

In diesem Zusammenhang wird Nachhaltigkeit mit der Bewahrung der Umwelt, Herstellung sozialer Gerechtigkeit und Gewährleistung politischer Teilhabe (für alle Menschen einer Generation) verknüpft (intragenerationelle Gerechtigkeit).

Der Brundtland-Report liefert die heute wohl geläufigste Definition der nachhaltigkeitsbezogenen Entwicklung, die gleichzeitig eine nachhaltige ist:13

Definition
Sustainable Development

Sustainable Development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs. ... a process of change, in which the exploitation of resources, the direction of investments, the orientation of technological development and institutional change are all in harmony and enhance both current and future potential to meet human needs and aspirations.[18]

Gemäß dieser Definition sollen die gesellschaftlichen Bedürfnisse befriedigt werden, ohne jedoch zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse unzureichend erfüllen können (intergenerationelle Gerechtigkeit).14 Durch verantwortliches Handeln der Gesellschaft soll die Generationengerechtigkeit geprägt werden. Somit wurde die nachhaltige, aber auch nachhaltigkeitsbezogene Entwicklung erstmals als Leitbild erhoben: Nachhaltigkeitsbezogene Entwicklung bezieht sich hier auf langfristige Perspektiven einer umweltschonenden Entwicklungspolitik. Damit ist ein Aspekt der Nachhaltigkeit angesprochen. Eine Nachhaltigkeitsstrategie kann auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene der Politik umgesetzt werden.

Zur Festigung des Konzepts der Nachhaltigkeit und angestoßen durch den Gedanken der intragenerationellen Gerechtigkeit hat im Jahr 1992 in Rio de Janeiro die United Nations Conference on Environment and Development (UNCED) stattgefunden. Auf dieser internationalen Konferenz, die auch als Erdgipfel oder Weltgipfel bezeichnet wird, haben sich etwa 10.000 Delegierte aus 172 Staaten getroffen, um über die Zukunft des Planeten zu beraten. Somit gilt diese Konferenz als bislang größte und bedeutendste Umweltkonferenz.15[19] Als Ergebnis dieser Konferenz sind die Rio-Deklaration und die Agenda 21 bes. hervorzuheben.

Zehn Jahre nach dem „Weltgipfel” in Rio wurde deutlich, dass das Leitbild der nachhaltigen und nachhaltigkeitsbezogenen Entwicklung von den verschiedenen Akteuren (im politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich) eher in unbefriedigender Weise verfolgt wird. Beim zweiten Umweltgipfel in Johannesburg im Jahr 2002 wurde die tatsächliche Schwierigkeit bei der praktischen Umsetzung des Konzepts der nachhaltigen und nachhaltigkeitsbezogenen Entwicklung aufgezeigt. Durch die divergierenden Interessen der Staaten sind die Problemfelder derart umfassend, dass eine Lösung dieser nur bei einem Zusammenspiel der unterschiedlichen Akteure in Sicht ist.18[20] Ein gutes Beispiel für ein solches Problemfeld ist die Diskussion um die weltweite CO2-Reduktion.

Bereits der Brundtland-Bericht hatte die einzelnen Staaten animieren sollen, eine nationale Nachhaltigkeitsstrategie zu entwerfen und umzusetzen. Dieser Aufforderung sind anfangs sehr wenige Nationen gefolgt. Insbesondere die Großmächte Russland, USA und China haben die Empfehlungen des Brundtland-Reports praktisch ignoriert.

In Deutschland hat 2001 die Bundesregierung den „Rat für Nachhaltige Entwicklung” (Nachhaltigkeitsrat) berufen. Hauptaufgaben des Rats waren und sind die Beratung der Bundesregierung zur Nachhaltigkeit und der Dialog mit den verschiedenen Interessensgruppen. 2002 legte die Bundesregierung eine erste Nachhaltigkeitsstrategie unter dem Titel „Perspektiven für Deutschland” für eine nachhaltige, nachhaltigkeitsbezogene Entwicklung vor. Eckpfeiler waren die Bereiche „Generationengerechtigkeit”, „Lebensqualität”, „Sozialer Zusammenhalt” und „Internationale Verantwortung”. Wichtig war, dass für die vier Handlungsfelder Energie und Klimaschutz, Verkehr, Landwirtschaft sowie globale Verantwortung auch Maßnahmen genannt wurden. Die vorgenannten Kriterien finden sich auch im Entwurf der aktuellen Fassung von 2016 der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie wieder.19[21] Im endgültigen Bericht ist die grundlegende Managementregel der Nachhaltigkeit wie folgt niedergelegt: „Jede Generation muss ihre Aufgaben selbst lösen und darf sie nicht den kommenden Generationen aufbürden. Zugleich muss sie Vorsorge für absehbare zukünftige Belastungen treffen.”20 – „Zur Erreichung der Generationengerechtigkeit, sozialem Zusammenhalt, Lebensqualität und Wahrnehmung internationaler Verantwortung sowie zur Verwirklichung von Menschenrechten und Erhaltung friedlicher Gesellschaften sind wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und soziale Verantwortung so zusammenzuführen, dass Entwicklungen dauerhaft tragfähig sind.”21

Das Konzept basiert somit auf dem Drei-Säulen-Modell (Triple-Bottom-Line) der Nachhaltigkeit.22 Dieses Modell verdeutlicht anschaulich, dass die Nachhaltigkeit im Wesentlichen auf den drei Pfeilern Ökonomie, Ökologie und Soziales beruht (vgl. Darst. 2).23

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Darst. 2: Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit (nach Balderjahn 2013, S. 21)

Eine jährliche Befragung deutscher Konsumenten ergab, dass der Anteil derjenigen, die vom Begriff „Nachhaltigkeit” gehört haben, von 77 % in 2012 auf 88 % in 2016 kontinuierlich gestiegen ist.24[22] Zuletzt gaben 48 % an, dass sie den Terminus ganz sicher kennen; 40 % kam der Begriff (zumindest) bekannt vor.

Auf Nachfrage bei denen, die von dem Begriff Nachhaltigkeit gehört haben (sicher kennen oder bekannt vorkommt), was sie unter Nachhaltigkeit verstehen, zeigt sich in den Jahren 2012 bis 2016 eine Verschiebung von „Dauerhaftigkeit” zu „umweltbewusstes Handeln”, wie Darst. 3 verdeutlicht.

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Darst. 3: Assoziationen zum Begriff „Nachhaltigkeit” in den Jahren 2012 bis 2016 (nach GfK Verein, November 2016)

Die stetige Abnahme der Assoziation „Dauerhaftigkeit” mag auch damit zusammenhängen, dass den „Kennern” klar geworden ist, dass der Begriff „Dauerhaftigkeit” im Sinne von „nachhaltig” nicht gleichbedeutend ist mit „nachhaltigkeitsbezogen”. Mit anderen Worten: Der Begriff „Dauerhaftigkeit” ist nicht eindeutig (nur allein) dem Terminus „Nachhaltigkeit” zuzuordnen (s. o.). Für 29 % bedeutet Nachhaltigkeit umweltbewusstes Handeln und Wirtschaften. Eine deutliche Zunahme verzeichnet das Sparen von Ressourcen wie Wasser oder Erdöl mit jetzt 18 %. Ebenso viele denken an die Bedeutung bzw. den Einsatz nachwachsender Rohstoffe. 13 % verbinden mit Nachhaltigkeit die Wiederverwertbarkeit von Materialien. Etwas abgeschlagen finden sich die Punkte „Folgen des Handelns bedenken” (das sollte eigentlich bei jeder Entscheidung der Fall sein!) mit 8 %, „Energie sparen” (7 %) und an die nächsten Generationen denken (nahezu unverändert mit 6 %). Keine genaue Vorstellung vom Begriff „Nachhaltigkeit” haben (leicht ansteigend) 14 %.[23]

Im Zeitablauf wird die Grundauffassung der nachhaltigen und nachhaltigkeitsbezogenen Entwicklung sehr gut erkennbar. Nachhaltigkeit hat einen breiten Horizont und verbindet Begrifflichkeiten wie die Zukunftsfähigkeit im Sinne einer dauerhaften Tragfähigkeit von Entwicklungen, die eine Generationengerechtigkeit beinhaltet, sowie die Erhaltung des Gleichgewichts zwischen den drei Säulen der Nachhaltigkeit. Durch die Identifikation mit der Idee der Nachhaltigkeit können alle beteiligten Akteure (Staaten, Unternehmen, Einzelpersonen) einen bedeutsamen Beitrag zur nachhaltigen und nachhaltigkeitsbezogenen Entwicklung leisten. Der Begriff Nachhaltigkeit lässt sich abschließend wie folgt definieren.

Definition
Nachhaltigkeit

Unter Nachhaltigkeit ist eine dauerhaft tragfähige Entwicklung in den Bereichen Ökonomie, Ökologie und Soziales zu verstehen, die die Bedürfnisse der heutigen Generation berücksichtigt, ohne künftige Generationen der Möglichkeit zu berauben, ihre eigenen Wünsche zu erfüllen.

Diese Definition, darauf muss explizit hingewiesen werden, lässt offen, ob die drei Bereiche Ökonomie, Ökologie und Soziales als gleichrangig angesehen werden oder ob eine prioritäre Anordnung zwischen diesen drei Sektoren gewählt werden sollte. Auf diesen wichtigen Aspekt wird im folgenden Abschnitt näher eingegangen.

Nachhaltigkeit ist räumlich nicht begrenzt[24]. Das Ziel der Nachhaltigkeit gilt lokal, regional, aber auch auf Landes- und Bundesebene und international. Nachhaltigkeit ist auch nicht einem bestimmten Zeitraum zuzuordnen. Sie kann für einen kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Zeitraum geplant werden. Nachhaltigkeit ist hinsichtlich der Tragweite der Entscheidungen auf drei verschiedenen Handlungsebenen: operativ, taktisch und strategisch entscheidbar. In den meisten Fällen handelt es sich um nachhaltige, d. h. strategische Entscheidungen.

Im Verlauf der vorstehenden Darlegungen hat sich gezeigt, dass eine signifikante Trennung zwischen den Termini „Nachhaltigkeit” und „nachhaltigkeitsbezogene Entwicklung” (Sustainable Development) kaum möglich ist. Die Begriffe werden daher synonym verwendet.

1Vgl. Dudenredaktion (Hrsg.): Duden. Deutsches Universalwörterbuch, 8. Aufl., Berlin 2015, Stichwort „nachhalten”.

2Vgl. Dudenredaktion (Hrsg.), a. a. O., Stichwort „nachhaltig”, https://de.wiktionary.org/wiki/nachhaltig, Abruf am 31.08.2016.

3Vgl. Hanning, U./Völker, R.: Messung der Nachhaltigkeit mit Key Performance Indikatoren. Der Online Sustainability Monitor, o. O., o. J., S. 11, https://imis.de/portal/load/fid813863/Vortrag_Hannig_V%C3 %B6lker.pdf, Abruf am 07.02.2017.

4Vgl. BFH-Urteil vom 18.07.1991, Az.: V R 86/86, Rn. 11.

5Schreiber, R.: Neue Wege im Naturschutz. Wie muss Nachhaltigkeit kommuniziert werden?, 08.07.2004 (www.ask-eu.de/News/6787/Neue-Wege-im-Naturschutz.htm, Zugriff: 07.04.2016).

6Vgl. Jonker, J./Stark, W./Tewes, S.: Corporate Social Responsibility und nachhaltige Entwicklung, Heidelberg 2011, S. 7.[25]

7Vgl. Vogt, M.: Prinzip Nachhaltigkeit. Ein Entwurf aus theologisch-ethischer Perspektive, 3. Aufl., München 2013, S. 117 f.

8Im Deutschen mit „Die Grenzen des Wachstums” übersetzt.

9Vgl. Sietz, M./Sonnenberg, A./Wrenger, B.: cliXX Nachhaltigkeit, Frankfurt am Main 2008, S. 10.

10Sietz, M./Sonnenberg, A./Wrenger, B., a.a.O., S. 11.

11Der Bericht wurde benannt nach der Vorsitzenden der Kommission, der früheren norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland. Sie erhielt 2013 den Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises.

12Vgl. Hauff, V.: Unsere gemeinsame Zukunft: Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, Greven 1987, S. 30 ff.

13Definition der nachhaltigkeitsbezogenen Entwicklung laut Brundtland-Report; vgl. WCED: Report of the World Commission on Environment and Development: Our Common (1987), http://www.un-documents.net/our-common-future.pdf, Abruf am 13.04.2016.

14Vgl. von Hauff, M./Kleine, A.: Nachhaltige Entwicklung: Grundlagen und Umsetzung, München 2009, S. 7.

15Vgl. Sietz, M./Sonnenberg, A./Wrenger, B., a. a. O., S. 13.

16Vgl. BMZ: UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (Rio-Konferenz 1992), o. J.,
https://www.bmz.de/de/service/glossar/K/konferenz_rio.html, Abruf am 14.04.2016.

17Vgl. Brunner, M.: Strategisches Nachhaltigkeits-Management in der Automobilindustrie, Wiesbaden 2006, S. 16 f.

18Vgl. ebenda, S. 17.

19Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie – Neuauflage 2016 (Entwurf), im Folgenden mit „Entwurf” abgekürzt, Berlin 2016, S. 22.[26]

20Vgl. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie – Neuauflage 2016, im Folgenden mit „Neuauflage” abgekürzt, Berlin 2017, S. 12.

21Vgl. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Neuauflage, a. a. O. Ziffer 2 (2), S. 243.

22Vgl. Sawczyn, A.: Unternehmerische Nachhaltigkeit und wertorientierte Unternehmensführung: Empirische Untersuchungen der Unternehmen im HDAX, Diss. Universität Erlangen-Nürnberg 2011, Hamburg 2011, S. 18.

23Vgl. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Neuauflage, a. a. O., S. 12.

24GfK Verein: Nachhaltigkeit: Mehr als eine Worthülse, November 2016, http://www.gfk-verein.org/compact/fokusthemen/nachhaltigkeit-mehr-als-eine-worthuelse, Abruf am 28.11.2016.