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Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH, Stuttgart

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Print:ISBN: 978-3-7910-4019-6Bestell-Nr.: 20455-0003
ePDF:ISBN: 978-3-7910-4051-6Bestell-Nr.: 20455-0152
ePub:ISBN: 978-3-7910-4052-3Bestell-Nr.: 20455-0100

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© 2017 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH
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Umschlagentwurf: Goldener Westen, Berlin
Umschlaggestaltung: Kienle gestaltet, Stuttgart
Satz: Claudia Wild, Konstanz

Oktober 2017

Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart
Ein Tochterunternehmen der Haufe Gruppe

Vorwort zur 5. Auflage

„Ein dauerndes Werk bedarf langer Zeit der Entwicklung
(Honoré de Balzac)“

Das Berufsrecht der Steuerberater unterliegt einer kontinuierlichen Weiterentwicklung. So hat es seit dem Inkrafttreten des Steuerberatungsgesetzes im Jahr 1961 bereits acht Änderungsgesetze gegeben, zuletzt im Jahr 2008. Das 8. Steuerberatungsänderungsgesetz ist ebenso wie die Neufassung der Berufsordnung, die am 01.01.2011 in Kraft getreten ist, umfassend eingearbeitet worden.[2]

Mit der Verordnung vom 11.12.2012 wurde die alte Steuerberatergebührenverordnung in die Steuerberatervergütungsverordnung gewandelt. Die Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) hat zu einer großen Reform der Honorierung der steuerberatenden Leistungen geführt.

Am 23.07.2016 trat eine weitere wichtige Änderung der StBVV in Kraft. Die EU-Kommission hatte verbindliche Mindestpreise in der StBVV bemängelt. In § 4 StBVV wurde eine neue Informationspflicht für Steuerberater eingefügt.

Stetigen Weiterentwicklungen unterliegen auch die Gebiete des Werberechts oder der außerhalb der Vorbehaltsaufgaben stehenden Tätigkeiten des Steuerberaters, wo versucht wurde, insbesondere anhand aktueller Rechtsprechung, Tendenzen aufzuzeigen. Einen starken Einfluss hat dazu auch das europäische Recht.

Die neuen Themen sind einerseits im Erläuterungsteil des Buches berücksichtigt und anderseits werden diese Themen in dem „Fragenkatalog mit Lösungen“ behandelt. Neben 60 grundlegenden und 20 vertiefenden Fragen erhalten Sie 20 Fragen zu aktuellen Themen. Die 20 aktuellen Fragen müssen zur mündlichen Steuerberaterprüfung sicher beherrscht werden.

Auf www.berufsrecht-steuerberater.com finden Sie weitere aktuelle Informationen zum Berufsrecht.

Das Autorenteam besteht ab der 4. Auflage aus Jochen Okraß und Oliver Kispert. Beide sind seit vielen Jahren als Dozenten auf dem Gebiet des Berufsrechts im gesamten Bundesgebiet tätig.[3]

Für kritische Anmerkungen und Hinweise sind die Autoren dankbar.

Berlin, im Juli 2017 Jochen Okraß Oliver Kispert LL.M.

Steuerberater Rechtsanwalt

Rechtsbeistand Fachanwalt für Steuerrecht

vereidigter Buchprüfer Fachanwalt für Handels-
und Gesellschaftsrecht

Vorwort zur 1. Auflage

Das Gebiet „Berufsrecht“ ist gemäß § 37 Abs. 3 Nr. 8 Steuerberatungsgesetz Bestandteil der Steuerberaterprüfung. Es wird ausschließlich in der mündlichen Prüfung behandelt. Erfahrungsgemäß werden zwei Fragen zum Berufsrecht gestellt. Da die Prüfer nicht davon ausgehen, dass Sie sich in Ihrer bisherigen praktischen Tätigkeit mit dem Berufsrecht beschäftigt haben, werden überwiegend grundlegende Fragen geprüft.

Wenn Sie dieses Gebiet in Ihren Prüfungsvorbereitungen außen vor lassen, wird Ihnen dies als Desinteresse an dem Beruf ausgelegt. Sollten Ihre Leistungen auf der Kippe stehen, werden die zwei oder drei Steuerberater im Prüfungsausschuss kein gutes Wort für Sie einlegen, wenn Sie sich auf Fragen des Berufsrechts nur ungenügend vorbereitet haben.

Im Teil „Grundlagen“ des vorliegenden Buchs werden nahezu alle Themen berücksichtigt, die bundesweit in den letzten fünf Jahren im Rahmen der mündlichen Prüfung behandelt wurden. Der Grundlagenteil wurde kurz gehalten, denn im Rahmen der Mündlichen Prüfung gibt es auch noch andere Prüfungsgebiete, auf die Sie sich vorbereiten müssen. Themen, die immer wieder vorkommen (Rechte und Pflichten des Steuerberaters), werden ausführlich beschrieben. Themen die nur selten geprüft werden (Prüfungsvoraussetzungen, Berufsgerichtsverfahren), werden kürzer dargestellt.[4]

Im Teil „Fragenkatalog mit Lösungen“ werden 100 Fragen mit ausführlichen Lösungen angeboten. Davon sind 70 grundlegende Fragen, die Sie unbedingt beherrschen müssen. Jede dieser grundlegenden Fragen müssen Sie sicher beantworten können. Die 20 vertiefenden Fragen sind für Bewerber bestimmt, die in der mündlichen Prüfung einen guten Eindruck hinterlassen müssen, weil die schriftliche Prüfung nicht so gut ausfiel. Die zehn aktuellen Fragen sollten Sie beantworten können, hier ist es aber notwendig, kurz vor der Prüfung noch ergänzend auf der Homepage der zuständigen Steuerberaterkammer oder auf den Seiten der Bundessteuerberaterkammer zu surfen, um dort den tatsächlich aktuellen Stand herauszufinden.

Dieses Buch ist speziell für Leser geschrieben, die das Werk zur Vorbereitung auf die mündliche Prüfung nutzen wollen. Nach bestandener Prüfung sollten Sie dann diesen Band zu Ihrer Steuerliteratur stellen, um bei berufsrechtlichen Problemen eine erste Antwort zu erhalten. Für tiefer gehende Probleme müssen Sie jedoch einen Kommentar befragen.

In dem einleitenden Teil „Die mündliche Steuerberaterprüfung“ erhalten Sie einen Arbeitsplan, so dass Sie mit einem Arbeitsaufwand von 10 mal 4 Stunden die Prüfung auf dem Gebiet „Berufsrecht“ bestehen sollten.

Zu guter Letzt möchte ich mich bei den Teilnehmern der GFS bedanken, die seit nunmehr 30 Jahren ihrer „Verpflichtung“ nachgekommen sind und sofort nach der mündlichen Prüfung ein Protokoll geschrieben haben.[5]

Berlin, im Juli 2007 Jochen Okraß

Abkürzungsverzeichnis

AABAllgemeine Auftragsbedingungen
Abl.Amtsblatt
Abs.Absatz
a. F.alte Fassung
AGAktiengesellschaft
AktGAktiengesetz
AOAbgabenordnung
Art.Artikel
Az.Aktenzeichen
BBBetriebs-Berater (Zeitschrift)
b.b.h.Bundesverband selbständiger Buchhalter und Bilanzbuchhalter e. V.
BDSGBundesdatenschutzgesetz
BGBBürgerliches Gesetzbuch
BGHBundesgerichtshof
BMFBundesministerium für Finanzen
BOStBBerufsordnung der Bundessteuerberaterkammer
BRAOBundesrechtsanwaltsordnung
BStBlBundessteuerblatt
BStBKBundessteuerberaterkammer
Buchst.Buchstabe
BVBCBundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller
BVerfGBundesverfassungsgericht
DBDer Betrieb (Zeitschrift)
DStRDeutsches Steuerrecht (Zeitschrift)
DStVDeutscher Steuerberaterverband
DVStBDurchführungsverordnung zum StBerG
GbRGesellschaft bürgerlichen Rechts
GVGGerichtsverfassungsgesetz
DVStBDurchführungsverordnung zum Steuerberatungsgesetz
EStGEinkommensteuergesetz
EStHEinkommensteuerhinweise
EUEuropäische Union
e. V.Eingetragener Verein
EWIVEuropäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung
EWREuropäischer Wirtschaftsraum
FGOFinanzgerichtsordnung
GewOGewerbeordnung
GFGeschäftsführer
GGGrundgesetz
GmbHGesellschaft mit beschränkter Haftung
GmbH & Co. KGGesellschaft mit beschränkter Haftung und Co. Kommanditgesellschaft
GwGGeldwäschegesetz
HGBHandelsgesetzbuch
HSHalbsatz
IHKIndustrie- und Handelskammer
InsOInsolvenzordnung
i. S. d.im Sinne des
i. S. v.im Sinne von
i. V. m.in Verbindung mit
KapGesKapitalgesellschaft
KGKommanditgesellschaft
KGaAKommanditgesellschaft auf Aktien
KWGKreditwesengesetz
LGLandgericht
LStHvLohnsteuerhilfeverein
MaBVMakler- und Bauträgerverordnung
OFDOberfinanzdirektion
OHGOffene Handelsgesellschaft
OLGOberlandesgericht
PatAOPatentanwaltsordnung
PartGPartnerschaftsgesellschaft
PartGGPartnerschaftsgesellschaftsgesetz
PartGmbBPartG mit beschränkter Berufshaftung
PersGesPersonengesellschaft
pVVpositive Vertragsverletzung
RARechtsanwalt
RAOReichsabgabenordnung
RBerGRechtsberatungsgesetz
RDGRechtsdienstleistungsgesetz
RVGRechtsanwaltsvergütungsgesetz
StBerGSteuerberatungsgesetz
StBerÄndGSteuerberatungsänderungsgesetz
StBSteuerberater
StbgSteuerberatung (Zeitschrift)
StBGebVSteuerberatergebührenverordnung
StBGesSteuerberatungsgesellschaft
StBKSteuerberaterkammer
StBvSteuerbevollmächtigter
StGBStrafgesetzbuch
TMGTelemediengesetz
UKlaGGesetz über Unterlassungsklage
vBPvereidigter Buchprüfer
VEB ReWiVolkseigene Betriebe Rechnungsführung und Wirtschaftsberatung
vgl.vergleiche
WPWirtschaftsprüfer
WPGesWirtschaftsprüfungsgesellschaft
WPOWirtschaftsprüferordnung
ZPOZivilprozessordnung[6]

1   Berufsrecht in der mündlichen Steuerberaterprüfung

Ausführliche Hinweise zur mündlichen Steuerberaterprüfung finden Sie in der Reihe „Die Steuerberaterprüfung“, dort in Band 5 „Der mündliche Kurzvortrag“. Sie sollten auch Band 6 „BWL/VWL in der mündlichen Steuerberaterprüfung“ und Band 8 „Recht in der mündlichen Steuerberaterprüfung“ dieser Reihe durcharbeiten.[7]

1.1   Nach der schriftlichen Prüfung

Jetzt benötigen Sie erst einmal eine Pause. Eine Erholungszeit von 14 Tagen sollten Sie sich gönnen. Während dieser 14 Tage können Sie aber schon darüber nachdenken, wie Sie sich auf die mündliche Prüfung vorbereiten wollen.

Über drei große Aufgabenblöcke müssen Sie nachdenken:

  1. den mündlichen Kurzvortrag,

  2. die „Hauptgebiete“, mit denen Sie sich in den letzten Monaten ausschließlich beschäftigt hatten, sowie

die „Nebengebiete”, die für die schriftliche Prüfung keine Rolle gespielt haben, die folglich jetzt für Sie neu sind.

In der Zeit von Ende Oktober bis Ende Dezember sollte der mündliche Kurzvortrag im Vordergrund Ihrer Vorbereitung stehen. Zumindest 50 Themen müssen Sie in dieser Zeit bearbeiten, eine gute Auswahl von über 100 ausgearbeiteten Themen finden Sie in Band 5 der Reihe „Die Steuerberaterprüfung“, v. Campenhausen/Liebelt/Sommerfeld, „Der mündliche Kurzvortrag“. Sie kennen den Spruch: „Ein guter Vortrag ist die halbe Miete“. Zwar geht der Kurzvortrag nur mit 1/7 in die mündliche Note ein, aber ein guter Eindruck beim Vortrag kann sich auf die gesamte mündliche Prüfung positiv auswirken.

Die Hauptgebiete der schriftlichen Prüfung sind auch im Rahmen der mündlichen Prüfung die Hauptgebiete; vgl. § 37 Abs. 3 Nr. 1–4 StBerG. Eine mündliche Prüfung ohne Fragen zur Abgabenordnung, ohne Fragen zur Einkommensteuer, ohne Fragen zur Umsatzsteuer ist kaum denkbar. Ihre Übungsaufgaben und die vielen Klausuren, die Sie geschrieben haben, können Sie getrost in die Ecke legen, zur mündlichen Prüfung benötigen Sie nur noch die „Grundlagen“ Ihrer Skripte bzw. Band 1 bis Band 3 der Reihe Preißer, „Die Steuerberaterprüfung“.[8]

Die so genannten Nebengebiete werden nur in der mündlichen Prüfung gefragt. Dieses sind gem. § 37 Abs. 3 Nr. 5–8 StBerG:

Bis Mitte Dezember, also noch vor Bekanntgabe der Noten der schriftlichen Prüfung, sollten Sie sich einen guten Überblick über die Nebengebiete verschafft haben. Ab Mitte Dezember haben Sie für die Nebengebiete kaum noch Zeit, dann müssen Sie Ihre ganze Kraft den Hauptgebieten zuwenden. Sie werden gerade hier viel Zeit benötigen, um alle aktuellen Steuerrechtsänderungen zu erfassen. Eine Fallsammlung von rund 200 topaktuellen Fällen mit Lösungshinweisen finden Sie im Internet unter www.gfs-der-aktuelle-fall.de.

Unterschätzen Sie nicht die Bedeutung der mündlichen Prüfung!

Da Sie gem. § 28 Abs. 1 Durchführungsverordnung zum Steuerberatungsgesetz (DVStB) eine Gesamtnote von 4,15 erreichen müssen und Sie gem. § 25 Abs. 2 DVStB nur mit einer schriftlichen Note von 4,5 oder besser zur mündlichen Prüfung zugelassen werden, müssen Sie im schlechtesten Fall in der mündlichen Prüfung die Note 3,8 erzielen; 4,5 + 3,8 = 8,3 geteilt durch 2 = 4,15 und haben damit die Prüfung bestanden.

Auch die schriftliche Note von 4,33 (z. B. 4,5 – 4,5 – 4,0) müssen Sie ausgleichen, um eine Gesamtnote von 4,15 zu erreichen. In der mündlichen Prüfung wäre dann eine 3,97 notwendig, denn 4,33 + 3,97 ergibt wieder 8,3 geteilt durch 2 = 4,15.[9]

Haben Sie z. B. die schriftliche Note von 4,16 (z. B. 4,5 – 4,0 – 4,0) erreicht, müssen Sie auch diese verbessern, um eine Gesamtnote von 4,15 zu erreichen. In der mündlichen Prüfung wäre dann eine 4,14 notwendig, denn 4,16 + 4,14 ergibt wieder 8,3 geteilt durch 2 = 4,15. Die Noten werden übrigens gem. § 15 Abs. 2 DVStB auf zwei Stellen hinter dem Komma abgerundet.

Sollten Sie sich in der mündlichen Prüfung aber verschlechtern, kann es Ihnen auch anders ergehen. Sollten Sie in der schriftlichen Prüfung z. B. die Note 3,5 erreicht haben, in der mündlichen Prüfung aber nur eine 4,9, so haben Sie die Prüfung insgesamt nicht bestanden; denn 3,5 + 4,9 = 8,4 geteilt durch 2 = 4,2.

Im Falle des Nichtbestehens müssen Sie die gesamte Prüfung wiederholen, also auch die komplette schriftliche Prüfung.

Da in der mündlichen Prüfung im Bundesdurchschnitt jeder 7. Teilnehmer durchfällt, sollten Sie sich spätestens ab Ende Oktober so intensiv mit der mündlichen Prüfung beschäftigen, dass Sie nicht zu den „Durchfallern“ gehören werden. Wer die schriftliche Prüfung bestanden hat, sollte nicht leichtfertig die gesamte Prüfung aufs Spiel setzen.

1.2   Ablauf der mündlichen Prüfung

Der Ablauf der mündlichen Prüfung ergibt sich aus § 10 und § 25 bis § 32 DVStB. Danach wird ein Bewerber zur mündlichen Prüfung nur geladen, wenn die Gesamtnote aus der schriftlichen Prüfung die Zahl 4,5 nicht übersteigt. Spätestens zwei Wochen vor dem Prüfungstermin ist der Bewerber von der zuständigen Steuerberaterkammer zu laden.[10]

Überlegen Sie rechtzeitig, wie Sie sich kleiden wollen. Die männlichen Bewerber haben es da einfach: Jackett, Hose und Krawatte oder Anzug und Krawatte. Für die weiblichen Bewerber ist die Kleiderordnung meist etwas schwieriger: Dezent ist auf alle Fälle nicht falsch.

Sofern Sie weit vom Prüfungsort entfernt wohnen, sollten Sie sich am Prüfungsort in einem Hotel einquartieren. Auf alle Fälle muss es Ihnen möglich sein, auch bei Verkehrsstau oder ähnlichen Vorkommnissen rechtzeitig zur Prüfung zu erscheinen. Versäumt ein Bewerber die mündliche Prüfung ohne ausreichende Entschuldigung (Verkehrsstau ist keine ausreichende Entschuldigung), so gilt die gesamte Prüfung als nicht bestanden.

Die mündliche Prüfung besteht aus einem kurzen Vortrag und aus sechs Prüfungsabschnitten. Für den Vortrag werden dem Bewerber eine halbe Stunde vor Beginn der Prüfung drei Themen zur Wahl gestellt. Nur etwa jedes 20. Thema stammt aus dem Gebiet „Berufsrecht“. Die sechs Prüfungsabschnitte werden als Prüfungsdialog nach dem System Frage und Antwort abgehalten.

Wie umfangreich das Gebiet „Berufsrecht“ gefragt wird, ist auch davon abhängig, ob dem Prüfungsausschuss neben den drei Beamten der Finanzverwaltung drei StB oder zwei StB und ein Vertreter der Wirtschaft angehören. Der Vertreter der Wirtschaft wird sich intensiv mit Betriebswirtschaft, Rechnungswesen und Volkswirtschaft beschäftigen; in diesem Fall verbleibt den zwei Steuerberaterprüfern nicht viel Zeit für das Gebiet „Berufsrecht“. Eine oder höchstens zwei Fragen je Teilnehmer zum Berufsrecht werden dann die Regel sein, davon eine grundlegende Frage und eine aktuelle Frage. Sollten aber drei StB dem Ausschuss angehören, werden diese lieber Berufsrecht als Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft prüfen. Zwei bis drei Fragen zum Berufsrecht pro Bewerber sind dann die Regel, davon eine grundlegende Frage, eine vertiefende Frage und eine aktuelle Frage.[11]

Als Hilfsmittel stehen im Regelfall die Beck’schen Gesetzestexte zur Verfügung. Für das Prüfungsgebiet Berufsrecht dürfte dies ohne Bedeutung sein, denn ein „normaler“ Bewerber wird nicht auf die Idee kommen, im Steuerberatungsgesetz nachzuschlagen; im Rahmen Ihrer Prüfungsvorbereitung werden Sie die Paragraphen des Steuerberatungsgesetzes ohnehin nicht annähernd behalten.

Entweder ist nach jedem Prüfungsabschnitt oder nach drei Prüfungsabschnitten jeweils eine Pause. Nach dem letzten Prüfungsabschnitt stehen Sie voller Ungeduld auf dem Flur und machen sich gegenseitig Mut. Ist sich die Prüfungskommission nicht einig, kann es zu einer „Nachprüfung“ kommen; der Prüfungsvorsitzende stellt dann noch einige weitere Fragen an den Bewerber, der „auf der Kippe“ steht. Diese Nachprüfungen sind aber äußerst selten geworden.

Werden Sie zur Verkündung des Prüfungsergebnisses einzeln in den Prüfungsraum gerufen, ist das ein schlechtes Zeichen. Man will Ihnen dann ganz persönlich mitteilen, dass Sie die Prüfung insgesamt nicht bestanden haben und die gesamte Prüfung noch einmal wiederholen müssen. Der Bewerber kann in diesem Fall eine Bekanntgabe der tragenden Gründe verlangen.[12]

Die Prüfer sind im Rahmen eines „Überdenkungsverfahrens“ verpflichtet, die Bewertung der Prüfungsleistungen zu überdenken, wenn dies von dem Bewerber schriftlich bei der zuständigen Steuerberaterkammer mit begründeten Einwendungen beantragt wird und die Entscheidung über das Ergebnis der Prüfung noch nicht rechtskräftig ist. Im Rahmen des Überdenkungsverfahrens werden die Prüfungsleistungen erneut überdacht.

Wird die gesamte Prüfungsgruppe oder der Rest der Prüfungsgruppe in den Prüfungsraum gebeten, dann können Sie tief durchatmen – Sie haben es geschafft!

Noten werden dort dann übrigens nicht mitgeteilt. Es gibt keine offizielle Endnote, sondern nur das Prädikat „bestanden“.

1.3   Vorbereitung auf die mündliche Prüfung im Fach Berufsrecht

Das Prüfungsgebiet „Berufsrecht“ gehört zu den so genannten Nebengebieten. Sie dürfen dieses Nebengebiet aber nicht vernachlässigen, denn durch Nichtwissen auf diesem Gebiet würden Sie Desinteresse an dem Beruf StB bekunden, was Ihnen negativ angekreidet werden würde

Sie sollten die Vorbereitung auf dem Gebiet Berufsrecht jedoch zeitlich nicht übermäßig ausdehnen. Im Höchstfall wird Berufsrecht für die Dauer eines halben Prüfungsabschnitts gefragt.[13]

Der folgende Arbeitsplan geht davon aus, dass Sie an insgesamt zehn Tagen je vier Stunden dieses Gebiet bearbeiten und damit fit sind für die Prüfung.

1.3.1   Vier Tage je vier Stunden – Die Grundlagen

Lesen Sie die Grundlagen durch und schlagen Sie jede zitierte Vorschrift nach. An vier Tagen je vier Stunden sollten Sie Teil II dieses Buches „Grundlagen des Berufsrechts“ durchgearbeitet haben. Als Zeitplan nehmen Sie sich den November vor. Sie können entspannt lernen, der Weihnachtstrubel ist noch fern.

Ein weiterer Vorschlag: Wiederholen Sie die Grundlagen, indem Sie zu jeder Überschrift des Inhaltsverzeichnisses drei Sätze formulieren.

1.3.2   Ein Tag je vier Stunden – Ausarbeitung von fünf Themen

Anhand der Grundlagen sollten Sie zu dem Gebiet Berufsrecht fünf Vortragsthemen ausarbeiten. Fünf mögliche Themen schlagen wir Ihnen im folgenden Kapitel vor. Mit Hilfe dieser fünf Themen wiederholen Sie den Stoff der Grundlagen. Dafür sollten Sie die erste Woche im Dezember vorsehen.

1.3.3   Zwei Tage je vier Stunden – 100 Fragen

Die 100 Fragen können Sie zügig in zwei Arbeitseinheiten durchgehen. Sofern Sie eine Frage nur ausreichend beantworten können, schreiben Sie die Nummer der Frage auf die letzte Seite dieses Buches. Diese „schwierigen“ Fragen müssen Sie am Ende der beiden Arbeitseinheiten noch einmal wiederholen. Dafür sollten Sie die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr vorsehen.

Noch ein Vorschlag: Bearbeiten Sie die Fragen zu zweit. Sie können sich dann gegenseitig abfragen und erzielen so einen größeren Lernerfolg.[14]

1.3.4   Ein Tag je vier Stunden – 100 Fragen wiederholen

Wiederholen Sie die 100 Fragen. Im Rahmen der Vorbereitung dürften vier Stunden ausreichend sein. Alle Fragen, die Sie nicht sicher beantworten können, vermerken Sie wieder auf der letzten Seite dieses Buches. Damit sollten Sie ca. vier Wochen vor dem möglichen Prüfungstermin beginnen.

Auch hier empfiehlt sich eine Vorbereitung zu zweit, um über die Möglichkeit des Abfragens und Beantwortens zu einer objektiveren Leistungsbeurteilung zu gelangen.

1.3.5   Ein Tag je vier Stunden – 60 grundlegende und 20 aktuelle Fragen wiederholen

Die 60 grundlegenden Fragen und die 20 aktuellen Fragen wiederholen Sie kurz vor der Prüfung so lange, bis Sie alle diese 80 Fragen sicher beherrschen. Die 20 vertiefenden Fragen können Sie diesmal überschlagen: „Mut zur Lücke“. Damit sollten Sie ca. sieben Tage vor der Prüfung beginnen.

1.3.6   Ein Tag je vier Stunden – Die fünf Themen wiederholen

Die fünf Themen sollten Sie auch noch einmal wiederholen. Damit wiederholen Sie gleichzeitig das Training des Kurzvortrags und Sie wiederholen den überwiegenden Stoff der Grundlagen. Damit sollten Sie sechs Tage vor der Prüfung beginnen.

1.3.7   Mail an okrass@gfs.eu

Mit dieser Vorbereitung sollten Sie es sicher schaffen, das Prüfungsgebiet Berufsrecht zu bestehen.

Ich drücke Ihnen fest die Daumen, dass Sie die Prüfung erfolgreich abschließen. Natürlich würde ich mich freuen, wenn Sie alle Fragen zum Berufsrecht mit Hilfe dieses Buches sicher beantworten können und die entsprechenden Antworten Ihnen Pluspunkte bei der Bewertung Ihrer mündlichen Prüfung gebracht haben.[15]

Ich bitte Sie, mir sofort nach der mündlichen Prüfung alle Themen und die Fragen zum Berufsrecht per Mail an okrass@gfs.eu zu senden.

1.4   Der mündliche Kurzvortrag im Fach Berufsrecht

Hinweise zum mündlichen Kurzvortrag finden Sie ausführlich in Band 5 „Der mündliche Kurzvortrag“ der Reihe „Die Steuerberaterprüfung“. In diesem Kapitel sollen spezielle Hinweise zum Prüfungsgebiet „Berufsrecht“ gegeben werden.

Erfahrungsgemäß wird ein Thema zum Berufsrecht von den Bewerbern nur selten vorgetragen. Dies ist verständlich, weil das Berufsrecht für die Bewerber im Regelfall völlig neu ist. Sollten Sie (zufälligerweise) in einem Lohnsteuerhilfeverein gearbeitet haben, so könnte das Thema „Der Lohnsteuerhilfeverein“ von Ihnen gewählt werden. Sofern Sie bisher als selbständiger Bilanzbuchhalter gearbeitet haben und auch für einen StB als freier Mitarbeiter tätig waren, könnte das Thema „Bilanzbuchhalter oder Steuerfachwirt als freier Mitarbeiter bei einem StB“ von Ihnen gewählt werden. Ansonsten werden Sie – so wie Ihre Vorgänger – ein Thema zum Berufsrecht nur dann wählen, wenn Sie gerade dieses Thema im Rahmen der Vorbereitung ausgearbeitet und schon mehrfach als Probevortrag gehalten haben.

Ich empfehle Ihnen die Ausarbeitung der folgenden Themen:

  1. Rechte und Pflichten der StB

  2. Steuerberatungsgesellschaften[16]

  3. Die einfache und die qualifizierte Partnerschaftsgesellschaft

  4. Die Berufsordnung der StB

  5. Der Syndikus-Steuerberater

  6. Berufsgerichtsbarkeit

Die Ausarbeitung dieser Themen hat zwei Vorteile. Zum einen sind dies die Themen, die in den vergangenen fünf Jahren zu etwa 80 % als Thema zum Berufsrecht zur Wahl gestellt wurden, zum anderen haben Sie nach Ausarbeitung dieser Themen etwa 60 % des Prüfungsstoffes zum Berufsrecht gleich mit bearbeitet.

Es wird von Ihnen nicht erwartet, dass Sie zu „seltenen“ Themen (und dazu gehören die Themen des Berufsrechts) sämtliche Paragraphen nennen können. Zu jedem Thema sollten Sie aber die grundlegenden Paragraphen im Rahmen des Kurzvortrags erwähnen. Dies wären beispielhaft:

Diese fünf Themen sollten Sie mehrmals Freunden, Bekannten und Mitstreitern vortragen. Nur wenn Sie diese Themen mehrfach vorgetragen haben, könnte das Thema während der Prüfung in die engere Wahl fallen.

Die Ausarbeitung Ihrer zumindest 50 Themen sollte genau so erfolgen, wie Sie dies in der halben Stunde Vorbereitung im Rahmen der mündlichen Prüfung tun wollen. Da Sie etwa fünf Minuten auf die richtige Auswahl verwenden, haben Sie zur eigentlichen Ausarbeitung nur 25 Minuten Zeit. Die Ausarbeitung eines der oben genannten fünf Themen möchte ich Ihnen hier demonstrieren. In kursiver Schrift steht die eigentliche Ausarbeitung. [17]

Die einführenden Sätze sollten Sie in Ihrer Ausarbeitung ausformulieren. Denn wenn Sie vor lauter Nervosität die Anrede vergessen oder das gewählte Thema nicht nennen, werden Sie noch nervöser. Sie können die einführenden Sätze notfalls auch ablesen. Wenn Sie in den Prüfungsraum eintreten und die Prüfungskommission sehen, sollten Sie kurz stehen bleiben und einen „Guten Morgen“, „Guten Tag“ oder „Grüß Gott“ wünschen. Richten Sie dann Ihren „Arbeitsplatz“ ein. Wenn Sie im Stehen vortragen wollen, dann stellen Sie den „störenden“ Stuhl an die Seite.

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Thema habe ich „Steuerberatungsgesellschaften“ gewählt.

Meinen Kurzvortrag werde ich wie folgt gliedern:

1. Rechtsformen

2. Voraussetzungen der Anerkennung

3. Andere Formen der beruflichen Zusammenschlüsse

Und zum Schluss werde ich auf die Änderungen im Rahmen des 8. StBerÄndG sowie auf weitere mögliche Änderungen eingehen.

Den Hauptteil sollten Sie nicht ausformulieren. Dazu fehlt Ihnen im Regelfall die Zeit und eine Ausarbeitung in Stichworten zwingt Sie zur freien Rede. Der Kurzvortrag sollte zumindest teilweise frei gesprochen sein, Sie sollten jedes Prüfungsmitglied ein oder zweimal angeschaut haben. Vergessen sie dabei nicht die ganz außen sitzenden Prüfungsmitglieder, vielleicht sind gerade sie für den Kurzvortrag zuständig. Lassen Sie sich aber auch nicht durch „Desinteresse“ einzelner Prüfungsmitglieder verunsichern.[18]

Den jeweiligen einleitenden Satz zu den einzelnen Teilen sollten Sie wieder ausformulieren.

Zunächst möchte ich auf die zulässigen Rechtsformen eingehen. Diese sind in § 49 Steuerberatungsgesetz abschließend aufgezählt. Dies sind:

Sodann möchte ich auf die Voraussetzungen der Anerkennung eingehen. Diese sind in den §§ 50 und 50a des StBerG genannt. Einige Vorschriften zur Anerkennung finden sich auch in der Durchführungsverordnung zum StBerG und in der Berufsordnung. Folgend möchte ich die wesentlichen Voraussetzungen nennen. Beispielhaft gehe ich von einer GmbH aus:

Ferner möchte ich auf andere Formen der beruflichen Zusammenschlüsse eingehen:

Der Schlusssatz hat eine besondere Bedeutung. Es sollte auf keinen Fall eine Zusammenfassung gegeben werden; einen Kurzvortrag kann ich nicht auch noch zusammenfassen. Der Schlusssatz ist der Prüfungskommission bei der Notenvergabe noch präsent. Auch hier empfehle ich, den Text auszuformulieren und lieber abzulesen als etwas zu vergessen.

Abschließend möchte ich auf die Änderungen im Rahmen des 8. StBerÄndG eingehen und aktuelle Fragen zur StBGes diskutieren.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Noch ein wichtiger Hinweis: Sprechen Sie stets vom Steuerberatungsgesetz, niemals vom Steuerberatergesetz!

1.5   Berufsstand im Wandel

Der Berufsstand der StB befindet sich in einem ständigen Wandel. Die Bundeskammerversammlung hat daher am 12.06.2006 das „Leitbild des steuerberatenden Berufs“ verabschiedet. Es steht unter dem Motto „Perspektiven für morgen“. Sie als zukünftiger StB sollten sich mit dem Leitbild gut auskennen, das Leitbild fasst die Ideen, die gemeinsamen Werte und die Stellung der StB in der Gesellschaft zusammen. Im Rahmen der mündlichen Prüfung müssen Sie zu erkennen geben, dass Sie „würdig“ sind, diesen anspruchsvollen Beruf auszuüben, dass Sie ein Angehöriger dieses Freien Berufs und somit ein Organ der Steuerrechtspflege werden wollen.[21]

Im Folgenden sind wichtige Stellungnahmen hinsichtlich des Leitbilds wiedergegeben. Die vollständige Fassung finden Sie unter www.steuerberater-perspektiven.de.

In 2012 und 2013 wurde in vier Zukunfts-Workshops der Bundessteuerberaterkammer das Thema „Steuerberatung 2020 – Veränderungsnotwendigkeit, Veränderungsmöglichkeit und Handlungsfelder“ analysiert.

Die „Handlungsfelder“ sind folgend in Kapitel 5.5 genannt. Die vollständige Fassung finden Sie unter www.bstbk.de – Unterrubriken: Presse/Berlin 06.08.2014/Steuerberatung 2020.

1.5.1   Leitbild des steuerberatenden Berufs

StB sind Angehörige eines Freien Berufs und ein unabhängiges Organ der Steuerrechtspflege. Durch die gesetzlich geschützte berufliche Verschwiegenheit und die detaillierte Kenntnis der wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnisse ihrer Mandanten tragen Sie ein hohes Maß an Verantwortung und haben eine besondere Vertrauensstellung.

StB begleiten ihre Mandanten als unabhängige und kompetente Ratgeber bei allen steuerlichen und wirtschaftlichen Fragestellungen mit dem Ziel, deren Interessen als Unternehmer, Institutionen oder Privatpersonen optimal zu vertreten sowie deren wirtschaftlichen Erfolg zu fördern und zu sichern.

Das Leistungsangebot der StB umfasst insbesondere die Rechnungslegung nach nationalen und internationalen Vorgaben, die Steuerberatung und den steuerlichen Rechtsschutz. Die Beratung in privaten Vermögensangelegenheiten, die betriebswirtschaftliche Beratung sowie die Durchführung von gesetzlichen und freiwilligen Prüfungen sind weitere wesentliche Tätigkeitsfelder.[22]

StB üben ihren Beruf unabhängig, eigenverantwortlich und gewissenhaft aus. Durch hohe Qualifikation verbunden mit konsequenter Fortbildung, effizienter Kanzleiführung und Qualitätsmanagement schaffen sie die Grundlage, um auch zukünftigen Anforderungen flexibel begegnen zu können.

1.5.2   Perspektiven durch Leistung

In der Steuerberatung gibt es keinen Stillstand, die Steuerberatung unterliegt einem ständigen Wandel, da sich nicht nur steuerrechtliche, sondern auch wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Bedingungen permanent ändern. StB müssen ein breites Fachgebiet souverän beherrschen, ihre Mandanten sicher durch das komplexe deutsche Steuerrecht leiten und umsichtig beraten. StB müssen auch die Grundzüge des Internationalen Steuerrechts kennen. Deswegen ist nach einer umfassenden theoretischen und praktischen Ausbildung sowie dem anspruchsvollen staatlichen Steuerberaterexamen konsequente fachliche Fortbildung Pflicht. Die verlässlich hohe Qualität der Leistungen ist einer der entscheidenden Werte, mit denen sich StB im Wettbewerb positiv abgrenzen.

1.5.3   Perspektiven durch vorausschauende Planung

StB müssen sich den ständig steigenden Erwartungen der Mandanten und einem hohen Wettbewerbsdruck stellen. Neben fachlicher Fortbildung sind daher effiziente Kanzleiführung, Qualitätsmanagement sowie die aktive Kommunikation des Leistungsangebots zentrale Elemente einer zukunftsfähigen Planung. Zukunft ist zwar nicht vorhersehbar, aber sie ist auch nicht vollkommen ungewiss. Langfristige gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen liefern bei genauer Analyse den Rahmen für eine vorausschauende Strategie.[23]

1.5.4   Perspektiven durch gemeinsame Werte und Ziele

Die Herausforderungen der Zukunft zu erkennen und ihnen gewappnet zu begegnen, Chancen frühzeitig zu sehen und sie zu ergreifen, das sind die Zielsetzungen der Initiative „Perspektiven für morgen“, die von den Steuerberaterkammern und der Bundessteuerberaterkammer gemeinsam ins Leben gerufen wurde. Sie beginnt mit einem Leitbildprozess, denn die Frage nach den Stärken, Werten und Zielen des Berufsstands sollte am Anfang jeder Zukunftsplanung stehen. Das Leitbild soll nicht etwa Bestehendes festschreiben. Es soll vielmehr die Perspektive auf langfristig gültige, zukunftsorientierte Zielsetzungen eröffnen. Wenn es lebt und gelebt wird, kann das Leitbild den Berufsstand nach innen und nach außen stärken. StB, die sich dazu bekennen, bekennen sich aktiv zu einem gemeinsamen Selbstverständnis des Berufs.

1.5.5   Handlungsfelder auf dem Weg zur zukunftsfähigen Kanzlei

In den folgend (nur) aufgezählten neun Handlungsfeldern sind Aufgaben und Maßnahmen skizziert, mit denen Berufsangehörige bei der Umsetzung einer zukunftsfähigen Kanzlei durch die Steuerberaterkammer unterstützt werden können.

  • Unterstützung der Kanzlei bei der Standortbestimmung (Mindestanforderungen),

  • strategische Ausrichtung der Kanzleien anhand der Kanzleikandidaten,[24]

  • Personalgewinnung/-entwicklung und Mitarbeiterführung,

  • effiziente Kanzleiführung und Digitalisierung der Geschäftsprozesse,

  • aktives Marketing und Akquisition,

  • Ausbau der vereinbaren Tätigkeiten,

  • Beratungskonzepte für spezifische Zielgruppen,

  • Kampagne zur Verbesserung des Images,

  • Digitalisierung, das papierlose Büro.

1.5.6   Leitbild der Steuerberaterkammern

Die Steuerberaterkammern sind die berufliche Selbstverwaltung aller in ihrem Kammerbezirk niedergelassenen StB und Steuerbevollmächtigten. Als Körperschaften des öffentlichen Rechts nehmen sie die ihnen durch Gesetz übertragenen Aufgaben wahr und vertreten die beruflichen Interessen ihrer Mitglieder.

Ihr Ziel ist es, den steuerberatenden Beruf als Freien Beruf und als Organ der Steuerrechtspflege zu fördern, weiterzuentwickeln und in der Öffentlichkeit zu positionieren. Dabei sind sie besonders dem Gemeinwohl und den Belangen der Verbraucher, Unternehmer und Unternehmen verpflichtet.

Als Ratgeber und Dienstleister unterstützen sie ihre Mitglieder in Fragen der Berufsausübung. Sie sorgen für ein breites Angebot der beruflichen Aus- und Fortbildung für Berufsangehörige und deren Mitarbeiter. Die Qualität der Berufsausübung sichern sie durch Beratung und Berufsaufsicht. Darüber hinaus begleiten sie die Entwicklung neuer Beratungsfelder.

Die Bundessteuerberaterkammer ist die gesetzliche Spitzenorganisation der 21 Steuerberaterkammern und vertritt die Interessen des Berufsstands in seiner Gesamtheit im In- und Ausland. Sie koordiniert die Meinungsbildung zwischen den Steuerberaterkammern und führt Entscheidungen zu berufsrechtlichen und den Beruf betreffenden Angelegenheiten herbei, die sie an den Gesetzgeber und an andere Institutionen weiterleitet.[25]

Als berufliche Selbstverwaltung schaffen die Kammern die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Berufsausübung der Angehörigen des steuerberatenden Berufs in Deutschland.