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Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH, Stuttgart

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

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Print:ISBN: 978-3-7910-4000-4Bestell-Nr.: 14044-0001
ePDF:ISBN: 978-3-7910-4001-1Bestell-Nr.: 14044-0150
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© 2017 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH
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Umschlagentwurf: Goldener Westen, Berlin
Umschlaggestaltung: Kienle gestaltet, Stuttgart
Satz: Claudia Wild, Konstanz

Juli 2017

Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart
Ein Tochterunternehmen der Haufe Gruppe

Vorwort

Die Flüchtlingskrise spaltet die Gesellschaft. Auf der Straße werden Parolen gegen Flüchtlinge skandiert, mit Ängsten wird Parteipolitik betrieben. Die Forderung nach Abschottung und Errichtung von Zäunen findet Gehör. Die Medien nehmen Negativschlagzeilen auf. Populisten haben eine breite öffentliche Aufmerksamkeit.

Weniger hört man von Tausenden aktiven Helfern bei der Integration von Flüchtlingen, die privat, in Institutionen und Unternehmen die lange und teilweise beschwerliche Arbeit der Integration leisten und so dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft sich weiterentwickelt.[2]

Warum sind diese Initiativen so wichtig? Was sind echte „best practices“? Die Verfasser dieses Buches zeigen auf, dass aktives Gestalten von Integration Deutschland hilft und dass es keineswegs naiv ist, Initiativen zur Integration von Flüchtlingen ins Leben zu rufen und zu unterstützen.

Das vorliegende Buch trägt auf Basis verlässlicher Zahlen zu einer sachlichen Diskussion zum Thema Integration von Flüchtlingen in Deutschland bei. Dabei werden neben anschaulichen Beispielen gelungener Integration von Flüchtlingen auch Risiken und Herausforderungen aufgezeigt. Es soll im Folgenden ein realistisches Bild gezeichnet werden, was Integration von Flüchtlingen für Deutschland und Europa bedeutet: ein für unsere Gesellschaft schwieriges, jedoch notwendiges Kapitel. Das Thema Integration ist kein neues Thema und auch nicht kurzfristig zu lösen. Es begleitet die Bundesrepublik schon lange und wird es auch weiterhin tun.

Schafft Deutschland Integration? Blickt man auf mehr als 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland zurück, zeigen sich erstaunliche Leistungen. Über zwölf Millionen deutsche Flüchtlinge und Vertriebene sowie bis zu zwölf Millionen „Displaced Persons“ – ehemalige Zwangsarbeiter und ausländische KZ-Insassen – mussten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 eine neue Heimat finden bzw. repatriiert werden. Die Integration der Vertriebenen in das massiv zerstörte und verkleinerte Nachkriegsdeutschland schien zunächst kaum lösbar und wurde doch bewältigt.[3]

Nur wenige Jahre später beschließt die BRD 1955 mit Italien das erste Anwerbeabkommen: Gastarbeiter machen das Wirtschaftswunder erst möglich. Es folgten Abkommen mit Griechenland und Spanien (1960), der Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und dem ehemaligen Jugoslawien (1968), die in Summe 2,6 Millionen sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland bringen. Gelang die Integration der Gastarbeiter und wie wurde mit diesen Gästen umgegangen?

Zwischen 1990 und 2011 kamen ca. 2,5 Millionen Zuwanderer im Rahmen des (Spät-) Aussiedlerzuzugs nach Deutschland. Im Mikrozensus 2011 gaben sogar 3,2 Millionen zugewanderte Deutsche (einschließlich zeitgleich eingereister Ehegatten und Kinder) an, mit dem Aussiedler- bzw. Spätaussiedlerstatus nach Deutschland eingereist zu sein. Die wichtigsten Herkunftsländer waren Russland mit 612.000, Kasachstan mit 575.000, Polen mit 579.000 sowie Rumänien mit 213.000 Menschen, die die deutsche Volkszugehörigkeit nachwiesen und als Statusdeutsche gem. Artikel 116 Abs. 1 GG und nach Ausstellung der Bescheinigung nach § 15 Abs. 1 BVFG die deutsche Staatsangehörigkeit kraft Gesetzes im Sinne des Artikels 116 des Grundgesetzes erhielten.

Eine weitere große Zuwanderungswelle erlebte Deutschland durch die Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlinge nach dem Zerfall Jugoslawiens in 1994. Rund 350.000 Bosnier, Serben und Kroaten flohen vor den Gräueln der Kampfhandlungen in ihrem eigenen Land.[4]

Im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern kann Deutschland auf jahrzehntelange Erfahrungen bei der Integration von Menschen anderer Herkunft, Religion sowie Ethnie verweisen. Ist diese gelungen? Könnte dieses Vorgehen sogar ein Exportgut sein?

Verlässliche Fakten sind die Basis dieses Buches. Wer kommt nach Europa, welche Qualifikation bringen die Flüchtlinge mit, was kostet Integration und wie sind die gesellschaftlichen Auswirkungen? Die veröffentlichten Zahlen aus der aktuellen Flüchtlingswelle und deren Interpretation sehen unterschiedlich aus. Sind die 131.000 seit 2015 bei uns aufgenommenen Flüchtlinge, die bereits einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgehen, eine enorme Leistung der Gesellschaft und hat Deutschland aus den vielen Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte gelernt? Oder trifft eher die Analyse einer bekannten deutschen Wirtschaftszeitung zu, die die Situation als „Die große Ernüchterung“ beschreibt? Welche Botschaft ist publikumswirksamer und bleibt mehr im Gedächtnis?

Stimmt es, dass Unternehmen in Deutschland viel zum Thema Integration sprechen und schreiben, jedoch wenig wirklich umsetzen? In den folgenden Beiträgen wird ein differenziertes Bild gezeichnet, wie Konzerne und der Mittelstand in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Institutionen Erfolge in der Integration erzielen.[5]

Durch die im Buch dargestellten Praxisbeispiele wird Mut zum eigenen Handeln gemacht. Praktische Hinweise, Anregungen und Hilfestellungen unterstützen bei der Entwicklung von Initiativen. Das Beachten von und Eingehen auf Kulturunterschiede(n) ist ein Schlüssel bei der erfolgreichen Integration. Mittlerweile konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass interkulturelle Teams deutlich produktiver, agiler und innovativer sind als monokulturelle.

Im täglichen Handeln in der Wirtschaft – sei es z. B. im internationalen Handel, in der Personalpolitik oder in der konkreten Besetzung von Positionen – agieren Unternehmen im großen Maß grenzüberschreitend. Der heutige Wohlstand Deutschlands beruht zu einem entscheidenden Teil auf der engen internationalen Verzahnung, den globalen Handelsbeziehungen sowie einer Mitarbeiterstruktur, die sich mehr und mehr international zusammensetzt.

Ehemalige Flüchtlinge aus früheren Krisengebieten (z. B. dem Kosovo oder dem Iran) leisten inzwischen als Führungskräfte oder als Unternehmer aktiv ihren Beitrag zur Weiterentwicklung unserer Industrie und Gesellschaft. Das ermutigende Beispiel des Unternehmers Amir Roughani zeigt auf, wie er allein als Kind aus Persien von seinen Eltern nach Deutschland geschickt wird, sich durchkämpft und heute mit seinen Unternehmen erfolgreich Global Player bedient.

Die Fähigkeiten der zu uns kommenden Flüchtlinge gilt es, langfristig zu entwickeln. Dazu gehören Investitionen in die Ausbildung dieser Menschen, Respekt gegenüber jedem Individuum und klare Regeln im Umgang miteinander.[6]

Hier sind ein gutes Miteinander zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gefragt sowie verlässliche Rahmenbedingungen, auf denen private oder institutionelle Initiativen aufsetzen können.

Im gesamten Buch werden geschlechtsspezifische Formulierungen in neutraler Absicht verwendet und beziehen sich auf alle Geschlechter.

Die Herausgeber möchten sich bei den Autoren aus Wirtschaft, Forschung und Beratung herzlich bedanken für den Austausch, das Engagement und die Zeit, die sie unentgeltlich in dieses Buchprojekt eingebracht haben.

Auch dem Verlag gilt unser Dank für die Betreuung und Begleitung des Projekts durch Adelheid Fleischer und Frank Katzenmayer. Hervorzuheben ist auch der Einsatz von Alexander Kurz vom Redaktionsbüro Kurz.

Gerhard Stähler und Fritz Audebert

Königstein und Passau, April 2017