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Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH, Stuttgart

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Print:ISBN: 978-3-7910-3868-1Bestell-Nr.: 10212-0001
ePDF:ISBN: 978-3-7910-3869-8Bestell-Nr.: 10212-0150
ePub:ISBN: 978-3-7910-4097-4Bestell-Nr.: 10212-0100

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Umschlagentwurf: Goldener Westen, Berlin
Umschlaggestaltung: Kienle gestaltet, Stuttgart
Satz: Claudia Wild, Konstanz

März 2017

Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart
Ein Tochterunternehmen der Haufe Gruppe

Vorwort

Die zweite Auflage der deutschen Ausgabe des weltweit erfolgreichen Standardlehrbuches der Volkswirtschaftslehre, „Economics“ von Paul Krugman und Robin Wells (ISBN 978-3-7910-3371-9), erscheint nicht nur komplett überarbeitet und in einem neuen, modernen Layout, sondern erstmals auch gemeinsam mit einem Arbeitsbuch als Begleiter. Durch die Vielzahl der neuen Inhalte im Lehrbuch war es für die Arbeitsaufgaben am Ende eines jeden Kapitels zu eng geworden. Diese Aufgaben haben in dem nun vorliegenden Arbeitsbuch ihren wohlverdienten Platz gefunden.[2]

Natürlich enthält das Arbeitsbuch nicht nur Aufgaben, sondern auch Antworten. Beantwortet werden gleichermaßen einfachere Wiederholungsfragen und komplexere Problemstellungen, die sich an den 34 Kapiteln aus dem Lehrbuch orientieren. Dabei haben wir uns stets bemüht, auf nachvollziehbare und anschauliche Weise das vielfältige Wissen aus dem Lehrbuch auf die konkreten ökonomischen Sachverhalte anzuwenden. Viele Antworten werden zudem durch Abbildungen unterstützt.

An dieser Stelle geht unser Dank an Herrn Dipl.-Volksw. Frank Katzenmayer und Herrn Dipl.-Volksw. Bernd Marquard, die den Grundstein für dieses Arbeitsbuch gelegt und gleichzeitig maßgeblich zu dessen Gelingen beigetragen haben.

Wir hoffen, dass das Arbeitsbuch den großen Fußstapfen des Lehrbuches folgt und für alle Lesenden eine sinnvolle und hilfreiche Ergänzung zum großartigen Lehrbuch darstellt.

Sarah Lisanne John und Marco Herrmann

Tübingen und Leipzig, im November 2016

1 Grundprinzipien

Frage 1

Beschreiben Sie einige Komponenten der Opportunitätskosten, wenn Sie sich entschließen, das Folgende zu tun:

  1. eine Universität zu besuchen statt einer Berufstätigkeit nachzugehen;

  2. ins Kino zu gehen statt sich für eine Prüfung vorzubereiten;

  3. mit dem Bus zu fahren statt das eigene Auto zu nehmen.

Lösung
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  1. Einige Opportunitätskosten des Studiums sind die folgenden: entgangenes Einkommen aus Erwerbsarbeit, entgangene Arbeitserfahrung, Studiengebühren, Kosten für Lehrbücher und Arbeitsmaterialien usw. Der Universitätsbesuch generiert aber auch Nutzen: spannenderer, besser bezahlter Job nach dem Studium, Freude am Lernen usw.

  2. Es entstehen insbesondere Opportunitätskosten in Form von weniger Zeit zum Lernen (da Zeit eine knappe Ressource ist) und damit verbunden eine schlechtere Note in der Prüfung und andere Konsequenzen. Natürlich generiert der Kinobesuch auch Nutzen (z. B. Spaß).

  3. Opportunitätskosten, die mit Bus fahren verbunden sind, beinhalten die Wartezeit, den Fußweg von der Bushaltestelle zu Ihrem Zielort (statt das Auto direkt vor dem Gebäude abstellen zu können) und vermutlich eine längere Fahrzeit. Wenn die Opportunitätskosten ihrer Zeit hoch sind, könnten diese Kosten prohibitiv hoch sein. Nutzen des Busfahrens: Es ist günstiger.

Frage 2

Lisa muss sich für ihre nächste Wirtschaftsvorlesung ein englischsprachiges Lehrbuch kaufen. In der Universitätsbuchhandlung kostet das Buch 65 Euro. Im Internet bietet ein Händler das Buch für 55 Euro an, ein anderer für 57 Euro. In allen Preisen ist die Mehrwertsteuer enthalten. Die Tabelle zeigt die durchschnittlichen Versandkosten für Lehrbücher, die online bestellt werden.

  1. Worin bestehen die Opportunitätskosten, wenn man online kauft?

  2. Stellen Sie die relevanten Entscheidungsmöglichkeiten von Lisa dar. Wodurch bestimmt sich, welche dieser Optionen Lisa wählen wird?[4]

VersandmethodeLieferzeitVersandkosten
Standardversand3–7 Arbeitstage 3,99 €
Schnellversand2 Arbeitstage 8,98 €
Expressversand1 Arbeitstag13,98 €

Tab. 1-1

Lösung
  1. Die Opportunitätskosten des Bücherkaufs über das Internet sind die Summe der zusätzlichen Versandkosten plus der Opportunitätskosten der Zeit, die Sie warten müssen, bis das Buch geliefert wird (in der Buchhandlung ist das Buch sofort verfügbar) minus die Kosten, die Sie gegenüber dem Kauf in der Buchhandlung sparen.

  2. Wenn Lisa das Buch spätestens am nächsten Tag benötigt, wird sie es in der Buchhandlung kaufen, da selbst das billigste Internetangebot mit Expressversand 68,98 Euro kosten würde (Kauf auf der ersten Website: Buchpreis 55 Euro + Expressversand 13,98 Euro). Wenn sie es erst später benötigt, wird sie es online kaufen. Lisa wird sich nie für die Website entscheiden, bei der das Buch 57 Euro kostet, da die Kosten immer höher sind als bei einer Bestellung über die Website, bei der das Buch 55 Euro kostet.

Frage 3

Erläutern Sie für jedes der folgenden Beispiele, wie Sie das Marginalprinzip anwenden würden, um eine Entscheidung zu fällen.

  1. Die Entscheidung, wie lange Sie warten wollen, bevor Sie das nächste Mal Wäsche waschen.

  2. Die Entscheidung, wie oft Sie nicht an der Vorlesung „Einführung in die Volkswirtschaftslehre“ teilnehmen.

Lösung

Wenn das Marginalprinzip angewendet wird, um eine Entscheidung zu fällen, lautet die grundsätzliche Frage: Ist der zusätzliche Nutzen größer als die zusätzlichen Kosten? Wenn diese Frage mit „ja“ beantwortet werden kann, sollte die Aktion durchgeführt werden.[5]

  1. Wie viel Wäsche benötige ich für einen weiteren Tag und wie viel Geld kann ich dadurch einsparen, dass ich die Waschmaschine erst anschalte, wenn sie voll ist?

  2. Wie viel Wissen geht verloren, wenn man auf die Teilnahme an einer weiteren Vorlesungseinheit verzichtet? Welchen zusätzlichen Nutzen bringt eine alternative Zeitverwendung?

Frage 4

An diesem Morgen haben Sie eine Reihe individueller Entscheidungen getroffen: Sie haben ein belegtes Brötchen und eine Tasse Tee in Ihrem Café um die Ecke gekauft, Sie sind mit Ihrem Auto während der Hauptverkehrszeit zur Universität gefahren und Sie haben für eine Kommilitonin die Seminararbeit getippt, weil Sie sehr schnell tippen können – im Gegenzug wird die Kommilitonin für einen Monat Ihre Wäsche waschen. Beschreiben Sie für jede dieser Aktionen, welche Wechselwirkungen zwischen Ihren individuellen Entscheidungen und den individuellen Entscheidungen anderer bestanden. Erläutern Sie, ob sich andere Menschen aufgrund Ihrer Entscheidungen schlechter oder besser gestellt haben.

Lösung

Sie haben für den Kauf eines Brötchens und einer Tasse Tee im Café Geld bezahlt. Der Handel ist zum beiderseitigen Vorteil: Ihr Nutzen (Geschmack, Zeitersparnis) ist größer als Ihre Kosten (sonst hätten sie den Kauf nicht getätigt); der Erlös des Cafébesitzers ist größer als die Herstellungskosten (sonst hätte er Brötchen und Tee nicht zum Kauf angeboten).

Die Entscheidung, während der Hauptverkehrszeit mit dem Auto zu fahren, trägt zu einer weiteren Verstopfung der Straßen bei. Ihre Entscheidung hatte einen Nebeneffekt für andere Autofahrer, die schlechter gestellt werden: Dadurch, dass Sie ebenfalls mit dem Auto unterwegs sind, fahren alle anderen noch ein wenig langsamer.[6]

Die Entscheidung, mit Ihrer Kommilitonin einen Handel einzugehen – sie wäscht Ihre Wäsche, während Sie ihre Seminararbeit tippen – ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Handel zum beiderseitigen Vorteil ist. Sie haben beide freiwillig zugestimmt, sich auf eine Aufgabe zu spezialisieren, die Sie verhältnismäßig besser können, weil Sie erwarten, von dieser Interaktion zu profitieren.

Frage 5

Beschreibt die folgende Situation ein Gleichgewicht? Wenn nicht, wie müsste dann ein Gleichgewicht aussehen?

Jeder Studierende der Veranstaltung „Einführung in die Volkswirtschaftslehre“ muss auch an einer wöchentlichen Übungsgruppe teilnehmen. In diesem Semester werden zwei Übungsgruppen angeboten: Übungsgruppe A und Übungsgruppe B. Beide Übungen finden zur selben Zeit in nebeneinanderliegenden Räumen statt und werden von gleichermaßen kompetenten Assistenten geleitet. Übungsgruppe A ist überfüllt, die Studierenden sitzen auf dem Boden und können oft nicht erkennen, was an die Tafel geschrieben wird. In Übungsgruppe B gibt es viele freie Plätze.

Lösung

Die Situation beschreibt kein Gleichgewicht. Wenn Studierende aus der Übungsgruppe A in die Übungsgruppe B wechseln würden, wären sie besser gestellt: Ohne zusätzliche Kosten (Übungsgruppen zur gleichen Zeit, Übungsleiter gleichermaßen kompetent) hätten sie einen Sitzplatz und könnten erkennen, was an die Tafel geschrieben wird. Man kann davon ausgehen, dass die Studierenden aus Übungsgruppe A im Laufe der Zeit zu Übungsgruppe B wechseln, bis sich ein Gleichgewicht eingestellt hat.[7]

Frage 6

Erörtern Sie die Implikationen der folgenden Politikstrategie für Effizienz und Gerechtigkeit. Wie würden Sie den Wunsch nach Gerechtigkeit und Effizienz in diesen beiden Bereichen zum Ausgleich bringen?

Wenn Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren, zahlt der Staat Arbeitslosenunterstützung, bis sie einen neuen Job finden.

Lösung

Die Politikstrategie ist gerecht: Alle Arbeitslosen werden gleichermaßen unterstützt. Sie ist ineffizient: Der Anreiz, möglichst schnell einen neuen Arbeitsplatz zu finden, nimmt ab. Um einen Ausgleich zu erzielen, müsste die Arbeitslosenunterstützung geringer als das letzte erzielte Einkommen sein und mit der Zeitdauer der Arbeitslosigkeit sinken oder voraussetzen, dass die Empfänger nachweisen können, dass sie aktiv nach einer Anschlussbeschäftigung suchen.

Frage 7

Regierungen greifen oft zu bestimmten politischen Maßnahmen, um ein bestimmtes Verhalten Ihrer Bürger zu erreichen. Bestimmen Sie für jede der folgenden Politikmaßnahmen, welcher Anreiz gesetzt wird und welches Verhalten die Regierung fördern möchte. Erläutern Sie jeweils auch, warum Sie glauben, dass die Regierung eine Verhaltensänderung der Menschen herbeiführen möchte, statt dies der individuellen Entscheidung zu überlassen.[8]

  1. Die Regierung bezahlt Universitätsstudierende, damit sie Kindern von Familien mit niedrigem Einkommen Nachhilfeunterricht geben.

  2. Die Regierung erhebt eine Steuer auf die Menge an Luft verschmutzenden Emissionen, die ein Unternehmen freisetzt.

Lösung
  1. Diese Politikmaßnahme setzt einen finanziellen Anreiz für Studierende, damit Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen auch Nachhilfeunterricht erhalten, den sich die Eltern sonst vielleicht nicht leisten könnten. Dadurch können gleiche Bildungschancen für alle Kinder hergestellt werden, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Gleichzeitig hat diese Maßnahme auch Nebeneffekte auf den Rest der Gesellschaft: Je besser die Schüler in der Schule sind, desto produktiver, glücklicher und gesünder wird die Bevölkerung sein. Darüber hinaus werden attraktive Nebenjobs für Studierende geschaffen.

  2. Die Steuer erhöht den Preis der umweltschädlichen Aktivitäten, sodass den Unternehmen ein Anreiz gesetzt wird, weniger Emissionen zu verursachen. Umweltverschmutzung hat einen negativen Effekt auf andere: Sie senkt die Luftqualität (beispielsweise trägt sie zur Bildung von Ozon und Smog bei) und verursacht eine Menge unterschiedlicher Gesundheitsbeschwerden (beispielsweise Asthma). Bei der Entscheidung, welche Emissionsmenge ein Unternehmen freisetzt, werden diese negativen Effekte ungenügend einkalkuliert. Die Steuer ist ein Weg, den Preis der Umweltverschmutzung zu erhöhen und Unternehmen zu verdeutlichen, welche Kosten sie für andere verursachen.[9]

Frage 8

Erklären Sie für jede der folgenden Situationen, wie ein Eingreifen der Regierung die gesellschaftliche Wohlfahrt durch eine Änderung der Anreize erhöhen könnte, denen sich Menschen gegenübersehen. In welchem Sinne führt der Markt zu einer falschen Lösung?

  1. Die durch Autoabgase hervorgerufene Umweltbelastung hat ein gesundheitsgefährdendes Maß erreicht.

  2. Jeder Bewohner von Waldheim wäre besser gestellt, wenn es in der Stadt eine Straßenbeleuchtung gäbe. Keiner der Einwohner ist jedoch bereit, die Kosten für die Installation einer Straßenlaterne vor seinem Haus zu übernehmen. Es scheint nämlich unmöglich, von den Bürgern den Betrag zu erheben, der dem Nutzen entspricht, den sie durch diese Straßenlaterne erhalten.

Lösung
  1. Bei der Entscheidung darüber, wie oft das Auto genutzt wird, berücksichtigen die Fahrer nicht die Kosten, die den anderen Verkehrsteilnehmern durch Autoabgase entstehen. Die Marktlösung führt also dazu, dass zu viel mit dem Auto gefahren wird und die Umweltverschmutzung zu hoch ist. Daher ist ein Staatseingriff nötig, wie z. B. die Förderung des Verkaufs von emissionsarmen Fahrzeugen oder die Erhebung einer Emissionssteuer, sodass der Autoverkehr abnimmt, die Gesundheitsgefahr gebannt und die gesellschaftliche Wohlfahrt gesteigert werden kann.

  2. Die Marktlösung würde in dieser Situation dazu führen, dass es zu wenig oder auch gar keine Straßenbeleuchtung gibt. Daher sollte der Staat die Kosten für die Straßenbeleuchtung übernehmen und z. B. durch Steuern finanzieren, um die Wohlfahrt der Anwohner zu erhöhen. Es handelt sich um ein öffentliches Gut.[10]

Frage 9

Im Jahr 2010 veröffentlichte Tim Geithner, der zu diesem Zeitpunkt Finanzminister der USA war, einen Artikel, der die Vorgehensweise der Regierung verteidigte. Er schrieb: „Die Rezession, die Ende des Jahres 2007 begann, war außerordentlich heftig. Aber die Maßnahmen, die wir zum Höhepunkt dieser Rezession ergriffen, um die Wirtschaft zu stimulieren, trugen dazu bei, den freien Fall aufzuhalten, verhinderten so einen noch schlimmeren Zusammenbruch und brachten die Wirtschaft wieder auf den Weg zum Aufschwung.“ Welche zwei der drei Prinzipien gesamtwirtschaftlicher Interaktion spielen in dieser Aussage eine Rolle?

Lösung

Das im Jahr 2009 von Präsident Barack Obama auf den Weg gebrachte amerikanische Konjunkturpaket (American Recovery and Reinvestment Act) ist ein Beispiel für das Prinzip, dass Regierungspolitik die Ausgaben beeinflussen kann: Durch Steuersenkungen und die Erhöhung staatlicher Ausgaben sollte eine Erhöhung der Gesamtausgaben erreicht werden. Darüber hinaus ist es ein Beispiel für das Prinzip, dass die Ausgaben des einen die Einnahmen des anderen sind: Wenn Ausgaben getätigt werden, beispielsweise Investitionen in die Infrastruktur, steigen die Einnahmen der Unternehmen, die mit der Durchführung der Projekte beauftragt wurden.

Frage 10

Im August 2007 führte ein starker Abschwung auf dem amerikanischen Immobilienmarkt zu einem Einkommensrückgang bei einem Großteil derer, die in der Bauindustrie angestellt waren. Ein Zeitungsartikel im Wall Street Journal vermeldete, dass Walmarts elektronisches Bankgeschäft vermutlich zu leiden hätte, da viele Bauarbeiter Hispano-Amerikaner seien, die regelmäßig einen Teil ihres Einkommens via Walmart an Verwandte in ihrem Heimatland überweisen würden. Verwenden Sie diese Information und nutzen Sie eines der Prinzipien gesamtwirtschaftlicher Interaktion, um eine Argumentationskette zu entwickeln, die erklärt, wie ein Ausgabenrückgang für Immobilien in den Vereinigten Staaten die Entwicklung der mexikanischen Wirtschaft beeinflusst.[11]

Lösung

Das hier zugrunde liegende Prinzip lautet: Die Ausgaben des einen sind die Einnahmen des anderen. Der Abschwung auf dem amerikanischen Immobilienmarkt war gleichbedeutend mit niedrigeren Einkommen für die in den Vereinigten Staaten tätigen Bauarbeiter (niedrigere Ausgaben auf dem Immobilienmarkt bedeuten niedrigere Einnahmen der dort arbeitenden). Das führt wiederum zu geringeren Summen, die an Verwandte in Mexiko überwiesen werden und deshalb zu einem Rückgang der Ausgaben mexikanischer Haushalte. Dadurch sinken die Umsätze der Unternehmen und Arbeitnehmer müssen entlassen werden. Im Endeffekt leidet die gesamte mexikanische Wirtschaft unter dem Abschwung auf dem amerikanischen Immobilienmarkt.

Frage 11

Im Jahr 2012 verursachte der Hurrikan Sandy massive Zerstörungen im Nordosten der USA. Zehntausende Menschen verloren Häuser und andere Besitztümer. Selbst diejenigen, die nicht direkt von den Verwüstungen betroffen waren, nahmen Schaden, da Unternehmen in Konkurs gingen oder sich verkleinern mussten und Arbeitsplätze gestrichen wurden. Erklären Sie unter Zuhilfenahme eines der Prinzipien gesamtwirtschaftlicher Interaktion, wie in dieser Situation ein Eingreifen der Regierung möglicherweise helfen könnte.[12]

Lösung

Die durch den Hurrikan verursachten massiven Zerstörungen führten dazu, dass die dort lebenden Menschen weniger Ausgaben tätigten. Da Unternehmen in Konkurs gingen oder sich verkleinern mussten und Arbeitsplätze gestrichen wurden, sank das Einkommen im Allgemeinen. Durch eine Erhöhung der Staatsausgaben kann die Regierung in dieser Situation Abhilfe schaffen. Sie könnte beispielsweise Menschen für Aufräumarbeiten und die Beseitigung des Schadens sowie für den Wiederaufbau einstellen und so die gesunkenen privaten Ausgaben ausgleichen. Dies ist ein Beispiel dafür, dass Regierungspolitik die Ausgaben beeinflussen kann.

Frage 12

Während der Weltwirtschaftskrise verfaulten Nahrungsmittel auf den Feldern, und Felder, die einst aktiv bewirtschaftet wurden, lagen brach. Erklären Sie mithilfe eines der Prinzipien gesamtwirtschaftlicher Interaktion, wie dies passieren konnte.

Lösung

Während der Weltwirtschaftskrise sanken die Ausgaben derart, dass sie deutlich unter der Produktionskapazität des Landes lagen. Dies spiegelt das Prinzip wider, dass die Gesamtausgaben manchmal von der Produktionskapazität der Wirtschaft abweichen. Aufgrund des dramatischen Ausgabenrückgangs während der Weltwirtschaftskrise fanden die Landwirte nicht genug Abnehmer für die Nahrungsmittel, die sie bereits produziert hatten, und mussten sie verrotten lassen. Es gab ebenfalls einige Landwirte, die ihre Felder brach liegen ließen.[13]

2 Ökonomische Modelle: Zielkonflikte und Handel

Frage 1

Auf Bermuda gibt es zwei wichtige Industriezweige: Fischfang und Tourismus. Im Jahr 2009 fingen die 306 registrierten Bermuda-Fischer 387 Tonnen Seefisch. Die 2.719 in der Hotelbranche angestellten Personen „produzierten“ 554.400 Hotelaufenthalte (gemessen an den Besucherzahlen). Nehmen wir einmal an, dass dieser Produktionspunkt produktionseffizient ist. Gehen wir weiterhin davon aus, dass die Opportunitätskosten einer zusätzlichen Tonne Fisch 2.000 Hotelaufenthalte betragen und dass diese Opportunitätskosten konstant sind (die Opportunitätskosten verändern sich also nicht).

  1. Wie viele zusätzliche Hotelaufenthalte könnten in Bermuda generiert werden, wenn alle 306 registrierten Fischer nun von den Hotels angestellt würden (zusätzlich zu den 2.719 Personen, die bereits in der Hotelbranche arbeiten)?

  2. Wie viele zusätzliche Tonnen Fisch könnten in Bermuda gefangen werden, wenn alle 2.719 Hotelangestellten Fischer werden würden (zusätzlich zu den bereits registrierten 306 Fischern)?

  3. Zeichnen Sie die Produktionsmöglichkeitenkurve Bermudas. Tragen Sie die Menge gefangenen Fischs auf der waagerechten Achse und die Anzahl der Hotelaufenthalte auf der senkrechten Achse ab. Markieren Sie den Produktionspunkt Bermudas im Jahr 2009.[14]

Lösung
  1. Der Verzicht auf die Produktion einer Tonne Fisch ermöglicht es Bermuda, 2.000 zusätzliche Hotelaufenthalte zu generieren. Durch den Verzicht auf die Produktion von 387 Tonnen Fisch können deshalb 774.000 zusätzliche Hotelaufenthalte generiert werden. Wenn alle Fischer nun von den Hotels angestellt würden, könnten insgesamt 1.328.400 Hotelaufenthalte generiert werden.

  2. Der Verzicht auf die Bereitstellung von 2.000 Hotelübernachtungen ermöglicht es Bermuda, eine zusätzliche Tonne Fisch zu produzieren. Der Verzicht auf 554.400 Hotelübernachtungen ermöglicht Bermuda somit die Produktion von zusätzlich 277,2 Tonnen Fisch. Wenn alle Hotelangestellten nun Fischer werden würden, könnten in Bermuda 664,2 Tonnen Fisch produziert werden.

  3. Die Abbildung zeigt die Produktionsmöglichkeiten für Bermuda. Beachten Sie, dass die Produktionsmöglichkeitenkurve als Gerade verläuft, da die Opportunitätskosten konstant sind. Punkt A bezeichnet den Produktionspunkt im Jahr 2009.

Abbildung

Abb. 2-1

Frage 2

In einem Monat verkauften die Vereinigten Staaten Flugzeuge im Wert von 1 Milliarde Dollar an China. Sie kauften China auch Flugzeuge ab, allerdings nur im Wert von 19.000 Dollar. Die Vereinigten Staaten erwarben aus China jedoch im gleichen Monat Männerhosen im Wert von 83 Millionen Dollar und verkauften an China Hosen lediglich im Wert von 8.000 Dollar. Beantworten Sie die folgenden Fragen mithilfe Ihres neu erworbenen Wissens darüber, wie Handel von komparativen Vorteilen bestimmt wird.[15]

  1. Welches Land hat in der Flugzeugproduktion den komparativen Vorteil? Welches in der Produktion von Hosen?

  2. Können Sie bestimmen, welches Land den absoluten Vorteil in der Flugzeugproduktion bzw. in der Produktion von Hosen hat?

Lösung
  1. Da Länder von einer Spezialisierung in der Produktion der Güter profitieren, in der sie einen komparativen Vorteil haben, müssen die Vereinigten Staaten über einen komparativen Vorteil in der Flugzeugproduktion verfügen. China muss den komparativen Vorteil bei der Produktion von Bekleidung besitzen.

  2. Da Handel nichts über absolute Vorteile in der Produktion aussagt, können wir aus den Daten nicht ableiten, welches Land einen absoluten Vorteil in der Flugzeugproduktion bzw. in der Produktion von Hosen hat.

Frage 3

Sie sind verantwortlich für die Zusammenstellung der Baseball- und der Basketballmannschaft Ihres Wohnheims. Bis auf die letzten vier Personen ist Ihr Team zusammengestellt. Von den letzten vier müssen zwei der Baseballmannschaft und zwei der Basketballmannschaft zugeteilt werden. Die zu dieser Aufgabe gehörende Tabelle zeigt für jeden der Kandidaten den Batting-Durchschnitt und den Freiwurf-Durchschnitt. (Der Batter ist beim Baseball der Schlagmann, der mit dem Schläger den Ball des Pitchers (Werfer) treffen muss, A.d.Ü.) Der Batting-Durchschnitt gibt den Prozentsatz der vom Schlagmann regelgerecht getroffenen Bälle an.[16]

NameBatting-DurchschnittFreiwurf-Durchschnitt
Kelley70 %60 %
Jackie50 %50 %
Curt10 %30 %
Gerry80 %70 %

Tab. 2-1

  1. Erläutern Sie, wie Sie das Konzept des komparativen Vorteils verwenden würden, um die Spieler zuzuordnen. Berechnen Sie dabei zunächst für jeden Spieler die Opportunitätskosten von Freiwürfen, ausgedrückt in Batting-Durchschnitt-Einheiten.

  2. Warum ist es wahrscheinlich, dass die anderen Basketballspieler mit ihrer Zuordnung nicht zufrieden sein werden, während sich die anderen Baseballspieler vermutlich freuen werden? Warum würde – unabhängig davon – ein Ökonom sagen, dass die von Ihnen gefundene Zuordnung eine effiziente Weise ist, die Spieler auf die beiden Mannschaften aufzuteilen?

Lösung
  1. Schauen wir uns zunächst einmal die Opportunitätskosten von Freiwürfen eines jeden Spielers an:

    Opportunitätskosten von …
    KelleyJackieCurtGerry
    Freiwurf (in Batting-Durchschnitt-Einheiten)70/60 = 1,1750/50 = 1,0010/30 = 0,3380/70 = 1,14

    Tab. 2-2

    Jackie und Curt besitzen die niedrigsten Opportunitätskosten des Basketballspielens, sie haben also einen komparativen Vorteil beim Basketball. Sie müssten für eine Einheit Freiwurf-Durchschnitt auf weniger Einheiten Batting-Durchschnitt verzichten als Kelley und Gerry. Folglich muss man Jackie und Curt der Basketballmannschaft zuordnen und Kelley und Gerry der Baseballmannschaft.

  2. Es ist wahrscheinlich, dass das Basketballteam mit dieser Zuteilung unzufrieden ist. Sowohl Jackie als auch Curt haben im Vergleich zu den anderen beiden Spielern einen absoluten Nachteil im Basketballspielen. (Sie haben auch einen absoluten Nachteil im Baseballspielen, aber sie sind verhältnismäßig weniger schlecht beim Basketball als beim Baseball.) Das Baseballteam wird vermutlich zufrieden sein, da Kelley und Gerry einen absoluten Vorteil im Baseballspielen besitzen. Wenn man jedoch Augenmerk auf die Anzahl der Gewinne mit dieser Zuteilung des Wohnheims legt (so wie ein Ökonom Augenmerk auf die Effizienz legt), ist diese Zuteilung die beste: Sie maximiert insgesamt die Gewinnchancen des Wohnheims.[17]

Frage 4

Konstruieren Sie ein Kreislaufdiagramm, das den Sektor der Wirtschaft darstellt, der sich der Hochschulausbildung widmet: Universitäten stehen für den Unternehmenssektor, die Haushalte konsumieren Ausbildung und stellen Fakultätsmitglieder sowie Studierende zur Verfügung. Welches sind die relevanten Märkte dieses Modells? Was wird in jede Richtung ge- und verkauft? Wie wirkt es sich aus, wenn der Staat beschließen würde, 50 Prozent der Studiengebühren zu übernehmen?

Lösung
Abbildung

Abb. 2-2

Wenn der Staat beschließt, die Studiengebühren zu 50 Prozent zu übernehmen, sinken die Ausgaben der Haushalte für das Gut Ausbildung um die Hälfte. Gleichzeitig würde ein neuer Sektor Staat eingezeichnet, der die Hälfte der Ausgaben für Ausbildung übernimmt (Geldstrom vom Staat zu Universitäten). Die Haushalte würden Steuern an den Staat zahlen in Höhe ihrer Ausgaben für das Gut Ausbildung (Geldstrom von den Haushalten zum Staat). Die Einkommen der Mitarbeiter bleiben unverändert, ebenso der Strom „Studierende und Fakultätsmitglieder“.[18]

Frage 5

Ein Vertreter der deutschen Textilindustrie machte kürzlich folgende Bemerkung: „Arbeiter müssen in Asien oft unter unzumutbaren Bedingungen arbeiten und erhalten nur wenige Cent pro Stunde. Deutsche Arbeiter sind produktiver und erhalten deswegen höhere Löhne. Um die sozialen Standards deutscher Arbeitsplätze aufrechterhalten zu können, sollte die Regierung ein Gesetz verabschieden, mit dem der Import von asiatischen Textilien verboten wird, die dort zu den sozial nicht akzeptablen Löhnen produziert wurden.“

  1. Bei welchen Teilen dieses Zitats handelt es sich um eine positive Aussage? Bei welchen Teilen handelt es sich um normative Aussagen?

  2. Ist die Politik, die hier vertreten wird, konsistent mit den vorausgehenden Aussagen über Löhne und Produktivität deutscher und asiatischer Arbeitnehmer?

  3. Würde die vorgeschlagene Politik einige Deutsche besser stellen, ohne andere Deutsche schlechter zu stellen? Anders ausgedrückt: Wäre diese Politik aus Sicht aller Deutschen effizient?


  4. Würde diese Politik den asiatischen Niedriglohnarbeitern nutzen oder schaden?

Lösung
  1. Die beiden ersten Sätze sind positive Aussagen, der dritte Satz ist eine normative Aussage.

  2. Die Politikempfehlung ist nicht konsistent mit den vorhergehenden Aussagen. Die Aussage über die Produktivität deutscher und asiatischer Arbeitnehmer bezieht sich auf den absoluten Vorteil, den deutsche Arbeitnehmer gegenüber asiatischen Arbeitnehmern haben. Asiatische Arbeiter könnten aber noch immer einen komparativen Vorteil haben. Wenn dies der Fall ist, wäre die Politikstrategie nicht effizient.[19]

  3. Nein. Wenn Deutschland mehr Ressourcen in die Produktion von Kleidung stecken würde, müsste die Produktion anderer Güter aufgegeben werden. Im Ergebnis würde in Deutschland generell weniger konsumiert als in einer Situation ohne Beschränkung des Handels, was zumindest einige Konsumenten schlechter stellt (auch wenn durch die Politik Arbeitnehmer in deutschen Textilfabriken besser gestellt werden). Deshalb ist die Politik ineffizient.

  4. Auch den geringverdienenden asiatischen Arbeitnehmern würde diese Politik schaden. Die Ressourcen, die das asiatische Land in der Textilproduktion nutzte, würden nun für die Produktion anderer Güter verwendet werden, die zuvor aus Deutschland importiert wurden. Da das asiatische Land aber nicht einen komparativen Vorteil in der Produktion dieser Güter besitzt, würde von allen Gütern weniger konsumiert werden.

Frage 6

Ökonomen, die für die Regierung arbeiten, werden oft um wirtschaftspolitische Empfehlungen gebeten. Warum, glauben Sie, ist es für die Öffentlichkeit wichtig, bei diesen Empfehlungen normative und positive Aussagen auseinanderhalten zu können?

Lösung

Positive Aussagen beruhen auf Fakten oder zumindest auf unserer bestmöglichen Einschätzung davon, wie diese Fakten aussehen. Diese Aussagen sind deshalb unabhängig von den politischen Ansichten eines Wirtschaftswissenschaftlers. Normative Aussagen können von den eigenen Werturteilen des Ökonomen geprägt sein. Ob man mit den normativen Aussagen eines Ökonomen übereinstimmt, hängt also davon ab, ob man diese Werte teilt oder nicht. Die Öffentlichkeit sollte daher in der Lage sein, diese normativen Aspekte von den positiven zu trennen, die Tatsachen beschreiben.[20]

Frage 7

Atlantis ist ein kleines, isoliertes Land im Südatlantik. Die Einwohner bauen Kartoffeln an und fangen Fisch. Die Tabelle zeigt die maximalen jährlichen Outputkombinationen von Kartoffeln und Fisch. Vor dem Hintergrund der gegebenen begrenzten Ressourcen und der verfügbaren Technologie wird deutlich, dass bei Verwendung von mehr Ressourcen für die Kartoffelproduktion weniger Ressourcen für den Fischfang verfügbar sind.

Maximaler jährlicher Output – OptionenMenge an Kartoffeln(kg)Menge an Fisch(kg)
A1.0000
B800300
C600500
D400600
E200650
F0675

Tab. 2-3

  1. Zeichnen Sie eine Produktionsmöglichkeitenkurve für die durch die Punkte A bis F beschriebenen Optionen. Tragen Sie dabei Kartoffeln auf der waagerechten und Fisch auf der senkrechten Achse ab.

  2. Kann Atlantis 500 Kilogramm Fisch und 800 Kilogramm Kartoffeln produzieren? Begründen Sie Ihre Auffassung. Wo würde dieser Punkt im Verhältnis zur Produktionsmöglichkeitenkurve liegen?

  3. Wie hoch sind die Opportunitätskosten, die sich ergeben, wenn der jährliche Output an Kartoffeln von 600 auf 800 Kilogramm erhöht wird?

  4. Wie hoch sind die Opportunitätskosten einer Erhöhung der jährlichen Kartoffelproduktion von 200 auf 400 Kilogramm?[21]

  5. Können Sie erklären, warum Ihre Antworten zu Teil c und Teil d sich voneinander unterscheiden? Welche Implikation ergibt sich daraus für die Steigung der Produktionsmöglichkeitenkurve?

Lösung
  1. Abbildung

    Abb. 2-3

  2. Nein. Wenn Atlantis 500 Kilogramm Fisch produziert, können höchstens 600 Kilogramm Kartoffeln produziert werden. Der Punkt liegt außerhalb der Produktionsmöglichkeitenkurve, d. h. es stehen nicht genügend Ressourcen für diesen Produktionspunkt zur Verfügung.

  3. Die Opportunitätskosten für die Erhöhung der Kartoffelproduktion von 600 auf 800 Kilogramm betragen 200 Kilogramm Fisch. In diesem Fall müsste die Fischproduktion von 500 auf 300 Kilogramm, also um 200 Kilogramm, reduziert werden.

  4. Die Opportunitätskosten für die Erhöhung der Kartoffelproduktion von 200 auf 400 Kilogramm betragen 50 Kilogramm Fisch. In diesem Fall müsste die Fischproduktion von 650 auf 600 Kilogramm, also um 50 Kilogramm, reduziert werden.

  5. Die Antworten zu den Aufgabenteilen c und d implizieren, dass die Opportunitätskosten steigen, je mehr Kartoffeln in Atlantis produziert werden (beispielsweise, weil die Fläche nutzbaren Landes sinkt). Je mehr Kartoffeln produziert werden, desto weniger Ressourcen stehen für die Fischproduktion zur Verfügung, die deshalb sinkt. Das impliziert, dass die Produktionsmöglichkeitenkurve immer steiler wird, je weiter man nach rechts gelangt. Die Produktionsmöglichkeitenkurve ist nach außen gekrümmt (mathematisch wird diese Form als konkav bezeichnet).[22]

2   Anhang zu 2 Grafische Darstellungen in den Wirtschaftswissenschaften

Frage 1

Betrachten Sie die vier gezeigten Diagramme. Überlegen Sie bei den folgenden Teilaufgaben, welches Diagramm die dort gemachten Aussagen widerspiegelt. Welche Variable muss an der waagerechten, welche an der senkrechten Achse abgetragen werden? Bei welchen Aussagen ist die Steigung der Kurve positiv, negativ, null oder unendlich?

Abbildung

Abb. 2 A-1

  1. Arbeitnehmer mit größerer Berufserfahrung haben typischerweise höhere Einkommen als Arbeitnehmer mit geringerer Berufserfahrung.

  2. Wenn der Preis für Kinokarten steigt, gehen weniger Menschen ins Kino.

  3. Unabhängig von der Temperatur wird in Deutschland pro Tag die gleiche Anzahl von Bratwürsten gegessen.

  4. Unabhängig vom Preis wird von den Verbrauchern dieselbe Menge Salz gekauft.

Lösung
  1. Diagramm (c): Je mehr Berufserfahrung ein Arbeitnehmer hat, desto höher ist der Lohn, den er erhält. Die Berufserfahrung ist die unabhängige Variable und wird an der Abszisse abgetragen. Das daraus resultierende Einkommen ist die abhängige Variable und wird an der Ordinate abgetragen. Die Steigung der Kurve ist positiv.

  2. Diagramm (a): Je höher der Preis für Kinokarten ist, desto weniger Menschen gehen ins Kino. Der Zusammenhang ist negativ und deshalb ist die Steigung der Kurve negativ. Der Preis für Kinokarten ist die unabhängige Variable; die Anzahl der Kinobesucher ist die abhängige Variable. Es gibt in der Wirtschaftswissenschaft jedoch die Konvention, dass der Preis, wenn er sich ändern kann, an der Ordinate abgetragen wird. Die Anzahl der Kinobesucher wird an der Abszisse abgetragen.[23]

  3. Diagramm (d): Mit der Temperatur als unabhängige Variable an der Abszisse und der Anzahl Bratwürste als abhängige Variable auf der Ordinate können wir sehen, dass sich die Anzahl der Bratwürste nicht ändert, egal welche Temperatur vorherrscht. Die Steigung der Kurve ist null.

  4. Diagramm (b): Obwohl der Preis für Salz die unabhängige Variable und die Menge Salz die abhängige Variable ist, wird der Preis aufgrund der oben genannten Konvention auf der Ordinate und die Menge Salz auf der Abszisse abgetragen. Da sich der Salzverbrauch, unabhängig vom Preis, nicht ändert, verläuft die Kurve als senkrechte Linie. Die Steigung der Kurve ist also unendlich.

Frage 2

Während der Präsidentschaft von Ronald Reagan hat sich der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Arthur Laffer für eine Verringerung der Einkommensteuersätze ausgesprochen, um die Steuererträge zu erhöhen. Wie die meisten Wirtschaftswissenschaftler ging er davon aus, dass ab einem bestimmten Niveau die Erhöhung von Steuersätzen zu einem Rückgang des Steueraufkommens führen wird: Sehr hohe Steuersätze nehmen den Menschen den Arbeitsanreiz und sie würden überhaupt nicht mehr arbeiten wollen, wenn ihnen nach Abzug der Steuern überhaupt kein Einkommen verbliebe. Diese Beziehung zwischen Steuersätzen und Steueraufkommen wird grafisch in der sogenannten Laffer-Kurve zusammengefasst. Zeichnen Sie die Laffer-Kurve unter der Annahme, dass es sich um eine nichtlineare Kurve handelt. Die folgenden Fragen werden Ihnen bei der Konstruktion der Zeichnung helfen.[24]

  1. Welches ist die unabhängige Variable? Welches ist die abhängige Variable? Auf welcher Achse muss man daher den Einkommensteuersatz abtragen? Auf welcher Achse muss man das Steueraufkommen abtragen?

  2. Wie hoch ist das Steueraufkommen bei einem Steuersatz von null Prozent?

  3. Der maximale Steuersatz beträgt 100 Prozent. Wie hoch ist wohl das Steueraufkommen bei einem Steuersatz von 100 Prozent?

  4. Schätzungen zeigen nun, dass das Maximum der Laffer-Kurve (ungefähr) bei einem Steuersatz von 80 Prozent liegt. Wie würden Sie die Beziehung zwischen Steuersatz und Steueraufkommen für Steuersätze beschreiben, die kleiner sind als 80 Prozent? Wie drückt sich diese Beziehung in der Steigung der Kurve aus? Wie würden Sie die Beziehung zwischen Steuersatz und Steueraufkommen für Steuersätze charakterisieren, die größer sind als 80 Prozent? Wie schlägt sich diese Beziehung in der Steigung der Kurve nieder?

Lösung
  1. Der Einkommensteuersatz ist die unabhängige Variable. Er wird auf der Abszisse abgetragen. Das Steueraufkommen ist die abhängige Variable. Es wird auf der Ordinate abgetragen.

  2. Wenn der Einkommensteuersatz 0 Prozent beträgt, ist das Steueraufkommen gleich 0.

  3. Wenn der Einkommensteuersatz 100 Prozent beträgt (das gesamte Einkommen muss als Steuer abgeführt werden), bleibt nach Erhebung der Steuer kein Einkommen mehr übrig. Da die Menschen nicht willig sind zu arbeiten, wenn sie keinerlei Einkommen nach Steuern haben, wird es kein Einkommen geben. Das Steueraufkommen ist deshalb gleich 0.[25]

  4. Für Steuersätze unter 80 Prozent, ist die Beziehung zwischen Steuersatz und Steueraufkommen und somit auch die Steigung der Laffer-Kurve positiv. Bei Steuersätzen über 80 Prozent ist die Beziehung zwischen Steuersatz und Steueraufkommen und somit auch die Steigung der Laffer-Kurve negativ. Die Laffer-Kurve sieht deshalb in etwa so aus, wie in der Abbildung veranschaulicht. Das Maximum liegt bei einem Steuersatz von 80 Prozent.

Abbildung

Abb. 2 A-2

Frage 3

Wir messen die Steigung einer Kurve in fünf Punkten, die in Bezug auf die Abszisse immer weiter rechts liegen. Die Steigung dieser Kurve ändert sich, gemessen mit der Punktmethode, von 1,5 über 0,5 und 0 sowie –0,5 auf –1,5. Skizzieren Sie diese Kurve. Weist die Kurve ein Maximum oder ein Minimum auf?

Lösung

Die Abbildung zeigt eine schematische Darstellung der Kurve. Die Kurve weist zunächst eine abnehmende positive Steigung auf. Nach dem Maximum, in dem die Steigung gleich 0 ist, weist die Kurve eine zunehmend negative Steigung auf.

Abbildung

Abb. 2 A-3

Frage 4

Die Basis eines rechtwinkligen Dreiecks beträgt 10, die Fläche 20. Welche Höhe hat dieses rechtwinklige Dreieck?

Lösung

Die Fläche eines rechtwinkligen Dreiecks berechnet sich folgendermaßen: (Höhe × Basis)/2 = Fläche.

Wenn wir die in der Aufgabenstellung gegebenen Werte (Basis = 10 und Fläche = 20) einsetzen, erhalten wir: (Höhe × 10)/2 = 20.

Wir lösen nach der Höhe auf. Die Höhe dieses rechtwinkligen Dreiecks beträgt 4.[26]

Frage 5

Eine Versicherungsgesellschaft hat herausgefunden, dass das Ausmaß der Vermögensschäden bei einem Feuer in positiver Beziehung zu der Zahl der Feuerwehrleute steht, die an der Brandbekämpfung beteiligt sind.

  1. Welche Argumentation wird durch ein Diagramm suggeriert, in dem die Zahl der Feuerwehrleute an der Abszisse und die Zahl der Vermögensschäden an der Ordinate abgetragen werden? Vertauschen Sie nun gedanklich die beiden Achsen. Welche Argumentation würde jetzt hinter Ihrem Diagramm stehen?

  2. Sollte die Versicherungsgesellschaft die Feuerwehr bitten, weniger Feuerwehrleute zu einem Brand zu entsenden, um ihre Schadensleistungen verringern zu können?

Lösung
  1. Die Zahl der Feuerwehrleute wird auf der Abszisse abgetragen und ist deshalb die unabhängige Variable. Die Zahl der Vermögensschäden wird auf der Ordinate abgetragen und ist deshalb die abhängige Variable. Das heißt, wenn die Zahl der Feuerwehrleute steigt, die an der Brandbekämpfung beteiligt ist, steigt die Zahl der Vermögensschäden. Wenn die Zahl der Vermögensschäden die unabhängige Variable und die Zahl der Feuerwehrleute die abhängige Variable ist, wird damit ausgedrückt, dass mit steigendem Vermögensschaden mehr Feuerwehrleute an der Brandbekämpfung beteiligt sind.

  2. Die Aussage impliziert, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen der Zahl der Feuerwehrleute und der Zahl der Vermögensschäden gibt, was vermutlich nicht der Fall ist. Es ist viel wahrscheinlicher, dass es eine dritte, relevante, aber fehlende Variable gibt, die sowohl mit der Zahl der Feuerwehrleute und der Zahl der Vermögensschäden zusammenhängt; beispielsweise das Ausmaß des Feuers. Weitgreifende Feuer sorgen sowohl dafür, dass der Vermögensschaden größer ist, als auch, dass mehr Feuerwehrleute an der Brandbekämpfung beteiligt sind.[27]

Frage 6

Die zu dieser Aufgabe gehörende Tabelle zeigt die Bruttojahreseinkommen und die Einkommensteuerschuld für fünf Personen. Abgesehen von den Unterschieden im Einkommen und der unterschiedlichen Höhe der Steuerschuld seien diese fünf Individuen identisch.

NameJahreseinkommen(€)Einkommensteuer pro Jahr(€)
Susanne22.0003.304
Bill63.00014.317
John3.000454
Mary94.00023.927
Peter37.0007.020

Tab. 2 A-1

  1. Wie groß wäre die durchschnittliche Steigung der Kurve zwischen den Datenpunkten für Einkommen und Steuern von Bill und Mary unter Verwendung der Bogenmethode, wenn Sie diese Datenpunkte in einem Diagramm darstellen würden? Wie würden Sie den gefundenen Wert für die Steigung interpretieren?

  2. Wie groß ist die durchschnittliche Steigung der Kurve zwischen den Datenpunkten des Einkommens und der Steuern von John und Susanne unter Verwendung der Bogenmethode? Wie würden Sie den gefundenen Steigungswert interpretieren?

  3. Wie wirkt sich eine Erhöhung des Einkommens auf die Steigung aus? Welche Implikation weist diese Beziehung hinsichtlich der Frage auf, wie sich die Höhe der Einkommensteuer auf den Anreiz eines Menschen auswirkt, ein höheres Einkommen erzielen zu wollen?[28]

Lösung
  1. Das Jahreseinkommen ist die unabhängige Variable (Abszisse). Die Einkommensteuer pro Jahr ist die abhängige Variable (Ordinate). Wenn das Einkommen um 31.000 Euro steigt – also von Bills Jahreseinkommen (63.000 Euro) auf Marys Jahreseinkommen (94.000 Euro) – steigt die Einkommensteuer pro Jahr um 9.610 Euro. Das heißt, die Steigung der Kurve beträgt 9.610/31.000 = 0,31. Die Interpretation lautet wie folgt: In dieser Einkommensgruppe muss für jeden zusätzlichen Euro an Jahreseinkommen eine Steuer von 0,31 Euro gezahlt werden.

  2. Wenn das Jahreseinkommen um 19.000 Euro von Johns Einkommen (3.000 Euro) auf Susannes Einkommen (22.000 Euro) steigt, steigt die Einkommensteuer pro Jahr um 2.850 Euro. Die Steigung der Kurve beträgt 2.850/19.000 = 0,15. In dieser Einkommensgruppe muss also für jeden zusätzlichen Euro an Jahreseinkommen eine Steuer von 0,15 Euro abgeführt werden.

  3. Die Steigung der Kurve ist zunehmend positiv – das Steuersystem ist progressiv. Wird zusätzliches Einkommen erzielt, muss davon ein steigender Anteil als Einkommensteuer gezahlt werden, wenn das Ausgangseinkommen steigt. Das wirkt sich negativ auf den Anreiz der Menschen aus, ein höheres Einkommen zu erzielen, da immer mehr des zusätzlichen Einkommens als Steuer abgeführt werden muss.

Frage 7

Studien haben gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem jährlichen Wirtschaftswachstum eines Landes und der jährlichen Wachstumsrate an Luftschadstoffen gibt. Es wird davon ausgegangen, dass je höher das wirtschaftliche Wachstum ist, umso mehr Einwohner des Landes die Möglichkeit haben, ein Auto zu besitzen und zu reisen und deshalb mehr Luftschadstoffe emittiert werden.[29]

  1. Welche Variable ist die unabhängige Variable? Welche Variable ist die abhängige Variable?

  2. Nehmen Sie an, dass bei einem Rückgang des jährlichen Wirtschaftswachstums in Südland von 3,0 Prozent auf 1,5 Prozent die jährliche Wachstumsrate an Luftschadstoffen von 6 Prozent auf 5 Prozent fällt. Wie groß ist – unter Nutzung der Bogenmethode – die durchschnittliche Steigung einer nichtlinearen Kurve zwischen diesen beiden Punkten?

  3. Nehmen Sie nun an, dass bei einer Zunahme des jährlichen Wirtschaftswachstums von 3,5 Prozent auf 4,5 Prozent die jährliche Wachstumsrate an Luftschadstoffen von 5,5 Prozent auf 7,5 Prozent ansteigt. Wie groß ist – unter Nutzung der Bogenmethode – die durchschnittliche Steigung einer nichtlinearen Kurve zwischen diesen beiden Punkten?

  4. Wie würden Sie den Zusammenhang zwischen den beiden Variablen beschreiben?

Lösung
  1. Gemäß der Fragestellung verursacht Wirtschaftswachstum eine Zunahme von Luftschadstoffen. Das heißt, Wirtschaftswachstum ist die unabhängige Variable (Abszisse) und die Wachstumsrate an Luftschadstoffen ist die abhängige Variable (Ordinate).

  2. Die Änderung der Rate des Wirtschaftswachstums beträgt –1,5. Die Änderung der Luftschadstoffwachstumsrate beträgt –1. Die Steigung berechnet sich dann als (–1)/(–1,5) = 2/3.

  3. Die Änderung der Rate des Wirtschaftswachstums beträgt +1. Die Änderung der Luftschadstoffwachstumsrate beträgt +1. Die Steigung berechnet sich dann als 2/1 = 2.[30]

  4. Die Steigung ist positiv und, wie man aus den Antworten zu den Aufgabenteilen b und c ablesen kann, mit steigender Rate des Wirtschaftswachstums zunehmend.