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Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft - Steuern - Recht GmbH

[4]Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

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Print: ISBN 978-3-7910-4675-4 Bestell-Nr. 10377-0001
ePub: ISBN 978-3-7910-4676-1 Bestell-Nr. 10377-0100
ePDF: ISBN 978-3-7910-4677-8 Bestell-Nr. 10377-0150

Kai Lucks

Der Wettlauf um die Digitalisierung

1. Auflage 2020

© 2020 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH

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Produktmanagement: Dr. Frank Baumgärtner

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Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart

Ein Unternehmen der Haufe Group

[21]Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Gliederung der Digitaltechnik
Abb. 2: Zur Geschichte und Perspektiven der Industriellen Revolutionen
Abb. 3: Die umsatzstärksten Unternehmen der USA
Abb. 4: Die 20 größten börsennotierten Unternehmen Chinas
Abb. 5: Die 20 größten börsennotierten Unternehmen Japans
Abb. 6: Börsenwerte der führenden Internet-Giganten
Abb. 7: Die umsatzstärksten Start-ups in Europa (Gründungen seit 2000)
Abb. 8: Synopse von IT- und I/SD-Gründungen
Abb. 9: Datenorientierte Unternehmen in Deutschland
Abb. 10: Auswahl internetorientierter Unternehmen: Gründungszeitpunkt versus Marktwert
Abb. 11: Übersicht der europäischen Initiativen zur Digitalisierung der Industrie
Abb. 12: Von der durchgängigen Smart Factory sind wir noch weit entfernt
Abb. 13: Industrie 4.0 impliziert die Sprengung der Wertschöpfungsgrenzen
Abb. 14: Die Definitoren des Segmentes I/SD (Auswahl)
Abb. 15: Schichtenmodell der sogenannten Industrie 4.0
Abb. 16: Wertvergleich der Internet-/Smart-Data- und Smart-Devices-getriebenen Industrien (I/SD)
Abb. 17: Synopse Gewichtsvergleiche USA-China-Deutschland
Abb. 18: Vergleichswerte ausgewählter Online-Händler
Abb. 19: Führende 10 Onlineshops in Deutschland nach Umsätzen 2017
Abb. 20: Auswirkungen der Digitalisierung auf alle Lebensbereiche
Abb. 21: Methodenansätze zur künstlichen Intelligenz
Abb. 22: Landschaft der Wissens- und Technologiefelder in der sogenannten Industrie 4.0
Abb. 23: Der Data-Mining-Prozess
Abb. 24: Automatisierung: Hierarchieebenen
Abb. 25: Das Siemens-Prozesshaus
Abb. 26: Das cyber-physische System (CPS)
Abb. 27: Systematik des Verhaltensmanagements
Abb. 28: Kaufprozess: Vergleich B2B versus B2C
Abb. 29: Leistungsentwicklung Mobilfunk
Abb. 30: Mobilfunkstandards
Abb. 31: Felder unternehmerischen Wandels
Abb. 32: Benchmarking – die Ebenen
Abb. 33: Baselining – der grundlegende Prozess
Abb. 34: Vom Benchmarking bis zu den Maßnahmen
Abb. 35: Die Felder digitaler Geschäftsmodelle
Abb. 36: Datagetriebene Industriegeschäfte
Abb. 37: Wandlung zur digitalen Kultur
Abb. 38: Systematik und Beispiele zur Simulation und Virtualisierung
Abb. 39: Die Siemens Digitale Fabrik: MindSphere
Abb. 40: Der Umbau des Wertschöpfungssystems
[22]Abb. 41: Prinzip der Wertstromanalyse
Abb. 42: Potenziale aus der Wertstromanalyse
Abb. 43: Workshop-Folge für die Wertstromanalyse
Abb. 44: Die Hoshin-kanri-Matrix
Abb. 45: Digitalisierung im M&A-Projekt
Abb. 46: Rahmen zur Definition des Zielbündels
Abb. 47: Bewertung als M&A-Prozess
Abb. 48: Integrations-Simulation im Vorfeld
Abb. 49: Digitally Driven Due Diligence.
Abb. 50: Der Härtegrad-Umsetzungs-Plan
Abb. 51: Datenschutz und Datensicherheit
Abb. 52: Cybersicherheit – Historie und Angriffe
Abb. 53: Wettbewerbsbestimmende Felder
Abb. 54: Erwartetes BSP-Zusatzvolumen durch künstliche Intelligenz im Jahr 2030
Abb. 55: Zusammensetzung des Strompreises für Haushaltskunden (2018)
Abb. 56: Digitalisierung in der Energiewirtschaft
Abb. 57: Digitale Transformation der Energiewirtschaft
Abb. 58: Digitalisierung entlang der Energie-Wertschöpfungsstufen
Abb. 59: Die digitale Mobility-Landschaft für Personen und Cargo
Abb. 60: Umsatzstärkste Länder im E-Commerce
Abb. 61: Die weltgrößten Onlineshops
Abb. 62: Die 10 größten Onlineshops in Deutschland
Abb. 63: Digital Readiness Länderranking der OECD (2016)
Abb. 64: Digitalisierungsgrade in unterschiedlichen Branchen
Abb. 65: Grad des Glasfaserausbaus in vergleichbaren OECD-Ländern in %
Abb. 66: Zufriedenheit mit der Digitalisierung im Mittelstand
Abb. 67: Die Digital Hubs in Deutschland
Abb. 68: Jährliche Produktionsmengen verschiedener Rohstoffe
Abb. 69: Der eGovernment Action Plan der EU-Kommission
Abb. 70: E-Government-Dienste
Abb. 71: E-Discovery Workflow
Abb. 72: Digitale Affinität in Deutschland
Abb. 73: Prognostizierte Arbeitsplatzverluste (OECD-Länder)
Abb. 74: Evaluierung zur Arbeitsplatzsubstitution
Abb. 75: Argumente zum Grundeinkommen

[23]Vorwort

Wir befinden uns in der Industriegesellschaft 5.0, und zwar in ihrer kritischsten Phase. Es geht um die allumfassende Digitalisierung: in der Wirtschaft, in unserem sozialen Zusammenleben, in der Verwaltung und Staatsführung. Früher hielt Deutschland führende Positionen. Bei uns entstand das World Wide Web. An der Bundeswehr-Universität München wurden in den 80er Jahren die ersten selbstfahrenden Autos entwickelt und das Deep-Learning-Verfahren LSTM, ein künstliches neuronales Netz, wurde in den 90ern an der TU München erfunden. Die Umsetzung in marktgängige Produkte fand aber nicht bei uns statt. Angestoßen durch Entwicklungen im Dunstkreis der Stanford-Universität und um die Möglichkeiten, die das Internet eröffnete, bildete sich im Silicon Valley ein Industriecluster heraus, das mittlerweile die Welt dominiert. Im Zentrum heute die sogenannten »Big Five«, bestehend aus Microsoft, Apple, Amazon (Alphabet), Google und Facebook.1

Deutschland, das schon zahlreiche Industrien verloren hatte und noch verlieren sollte, partizipierte an dieser Entwicklung kaum. Selbst Unternehmen, die eigentlich prädestiniert für internetbasierte Geschäfte waren, gingen in Deutschland unter, wie etwa das Versandhaus Quelle. Bis auf wenige Unternehmen, die vom Internet profitieren konnten, fiel unser Land dramatisch zurück.

Jetzt stellt Deutschland die Weichen, die dafür entscheidend sind, ob wir Rückstände aufholen können, ob wir fähig sind, Widerstände und verkrustete Strukturen aufzubrechen, ob wir uns im globalen Wettlauf gegenüber den führenden Nationen USA und China stabile Positionen erkämpfen können und damit unseren Wohlstand sichern. Wenn wir das nicht schaffen, dann ist Deutschlands Rolle in der Welt gefährdet. Wir können dann unsere wirtschaftlich-sozialen Standards nicht mehr halten. Unsere Gegner würden das als Beweis sehen, dass unsere politische und freiheitliche Grundordnung den Systemen der USA und Chinas unterlegen ist. Deren Konzepte können und dürfen wir aber nicht ohne Weiteres übernehmen, überspitzt ausgedrückt: das Digital-Kartell der USA und die Digital-Diktatur Chinas. Kann das »Modell Deutschland«, das als Sozialstaat für attraktive Arbeitsplätze, für Wissenschaft, für freiheitliches Denken und Umweltschutz steht, überhaupt gegen die radikalen Digital-Ansätze in den USA und China erfolgreichen Widerstand leisten?

Die aktuellen Herausforderungen unseres Landes werden in diesem Buch im Kontext von Zeit und Raum erarbeitet, denn:

»Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.« (August Bebel)

»Nur dem, der die Weite kennt, wird die Heimat fruchtbar.« (Stefan George)

[24]Das vorliegende Werk schlägt deshalb einen großen Spannungsbogen. Teil 1 behandelt die historische Entwicklung von den ersten Ansätzen »diskreter« also nicht analoger Denkweisen und Technologien. Schwerpunkt sind hier die Wandlungen in der Neuzeit, besonders die sogenannten »Disruptionen«. Diese sind technologisch, wirtschaftlich, gesellschaftlicher Natur.

Alle sprechen heute von der »Industrie 4.0«. Dieses Schlagwort offenbart aber mehrere Mängel: Vor allem dürfen wir den Blick nicht auf Technik und Industrie einengen. Es handelt sich bei allen grundlegenden Entwicklungsschüben vielmehr um gesamt gesellschaftliche Erscheinungen, ausgelöst durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse aber auch durch neue Denkansätze, die zu Umwälzungen in der Arbeitswelt, im Sozial- und Staatswesen führten.

Ein Fehler liegt in der Zählung der sogenannten »industriellen Revolutionen« der Neuzeit. Eher einig sind wir uns über die Definition der »ersten industriellen Revolution«, die wir um die Jahre zwischen 1750 und 1780 ansetzen: die Mechanisierung, deren ausgeprägteste Erscheinungen der Webstuhl und die Dampfmaschine sind. Auch die Definition der »zweiten industriellen Revolution« findet zumeist Anhänger: der Zeitraum um 1850 bis 1870, geprägt durch die Elektrifizierung und Massenproduktionen. Gänzlich übersehen haben die Protagonisten der »Disruptionslehre« die dramatischen Entwicklungen zwischen 1885 und 1915, die wir hier mit dem Schlagwort »Mobilisierung« belegen. In dieser Periode wurde das Auto nicht nur »erfunden«, sondern auch bereits zu einem weltweiten Massenphänomen geführt. In diesen Zeitraum fallen große Fortschritte der Chemie. Eine entscheidende Entdeckung war dabei der Phosphatdünger. Ohne diesen wäre die Ernährung der heutigen Menschheit nicht möglich. Ohne diesen hätten die Bevölkerungsexplosionen nicht stattgefunden, damals schwerpunktmäßig in Europa und den USA. Wenn wir diese disruptive Phase einrechnen, dann leben wir heute nicht im Zeitalter der »Industrie 4.0«, sondern wir zählen bereits zur »Industrie 5.0«. Dies setzt natürlich voraus, dass wir uns über die disruptive Rolle der »Automatisierung« einig sind, deren schubartiger Fortschritt zwischen 1950 und 1960 stattfand und die bisher mit dem Begriff »Industrie 3.0« belegt wurde. Diese geht genau genommen gleitend in die aktuelle Technikentwicklung über, von der Elektronik getrieben, zunächst analog, dann zunehmend digital.

Die Entstehung des Internets ist sicherlich die Entwicklung, die unser heutiges Leben am entscheidendsten verändert hat. Dessen Entwicklung geht zurück auf Militäranwendungen in den USA im Zuge des Zweiten Weltkriegs. Daraus entstand das Arpanet, unmittelbarer Vorläufer des Internets. Das Internet brachte eine ganz neue Branche hervor, die in diesem Buch als I/SD bezeichnet wird. Dieses Kürzel steht für Internet-/Smart-Data- und Smart-Devices-getriebene Geschäfte. Die Herleitung und Prägung dieses Begriffes war notwendig, um das Kerngebiet zu bestimmen, das entscheidend für die aktuelle industriell-gesellschaftliche Auseinandersetzung ist. Im Allgemeinen wird hier nicht ausreichend differenziert. Wir treffen überall einen Begriffswirrwarr an. In den USA spricht man vorwiegend von der IT-Branche. Aber diese Definition reicht nicht aus, denn es sind ja auch internetgetriebene Online-Geschäfte, Plattformen und digitale Geschäftsmodelle einzubeziehen, die nicht reine IT sind. Andererseits haben sich klassische IT-Segmente wie die Mikroelektronik vor und unabhängig vom Internet entwickelt. Die Grenzen zwischen den beiden Segmenten zeichnen sich am deutlichsten in den Marktbewertungen ab: Die I/SD-getriebenen Geschäfte weisen aufgrund ihrer hohen Wachstumsraten sehr viel höhere Börsen-Multiples aus. Diese Grenzen sind zweifellos nicht ganz scharf zu ziehen, da auch innerhalb der Segmente ständig neue Wachstumsimpulse und Reifeprozesse zu beobachten sind.

[25]Das I/SD-Segment bezeichnet die Branche, um die derzeit gerungen wird, das eigentliche »Krisengebiet«. In dieses Feld lassen sich Unternehmen einordnen, damit kann diese Branche auch bewertet werden. Die Gewichtsverhältnisse zwischen den USA, China und Deutschland liegen heute etwa bei 16 zu 4 zu 1. Andere Vergleiche stützen diese Gewichtsverhältnisse. Dies kennzeichnet die dramatische Lage, in der sich Deutschland befindet. Der europäische Verbund hilft uns dabei kaum, denn die anderen Länder bringen zu wenig auf die Waagschale, die europäischen Aktivitäten sind fragmentiert und die Zusammenarbeit ist eher schwach.

Dieses Buch setzt sich zudem mit den treibenden Technologien auseinander, die hinter I/SD stehen. Auch hier gibt es nur wenig Gemeinsamkeiten, wie diese zu definieren und voneinander abzugrenzen sind. Dazu werden in diesem Buch Systematiken angeboten. Im Zentrum steht zweifellos derzeit die sogenannte »künstliche Intelligenz« – mit ganz unterschiedlichen Verständnissen, was unter diesen Begriff fällt und was nicht. Landläufig wird mit den Begriffen fahrlässig umgegangen, gerade auch in den USA. Dies birgt letztlich das Risiko zu Fehlallokationen bei Entwicklungsinvestitionen. China hat dafür ein Investitionsprogramm von 300 Mrd. USD verabschiedet. Die aus der I/SD-Industrie der USA bereitgestellten Investitionen dürften sich in ähnlicher Größe bewegen. Europa legt dagegen 20 Mrd. € auf die Waage, Deutschland gerade mal 3 Mrd. €. Vielleicht kann jede einzelne Milliarde bei uns fokussierter auf die »neue« KI ausgegeben werden als in den USA und in China, denn der Börsenwert der »Big Five« der USA geht im Grunde auf die »alte KI« zurück. Aber die Größenverhältnisse verheißen dennoch nichts Gutes: Die I/SD-Konzerne der USA und Chinas brennen vor Ehrgeiz und bersten vor neuen Ideen.

Doch dies ist nur ein Schlaglicht eines umfassenderen Bildes, das in diesem Buch gezeichnet wird. Die deutsche Autoindustrie ist die gewichtigste Branche, über die wir verfügen. Sie hat bei den neuen Technologien, der Elektromobilität und dem autonomen Fahren, nie die Führung übernommen und hat sie auch heute nicht. Ende 2018 ist sie erschreckt aufgewacht und hat hektisch auf die ernste Bedrohung reagiert. Ein gewaltiges, historisch einmaliges Investitionsprogramm wurde aufgelegt. Allein der VW-Konzern will über 40 Mrd. € in neue Technologien investieren und sich so die weltweite Marktposition in der Autobranche sichern. Das ist rund die Hälfte des aktuellen Börsenwerts.

Das zu zeichnende Bild der Industrien ist recht bunt. Die Vielfalt der Einflussgrößen ist deshalb näher zu betrachten. Dies geschieht schwerpunktmäßig im Teil 2 dieses Buches, betitelt mit »Branchenübergreifende Hebel und Ansätze«. Dies beinhaltet Technologien und Prozesse. Dazu sind auch Betrachtungen über unsere Infrastruktur, Managementverfahren und Cyber Security anzustellen.

Teil 3 behandelt unter dem Titel »Wettbewerbsbestimmende Felder« herausragend wichtige Gebiete, deren weitergehende Digitalisierung wettbewerbsentscheidend ist. Diese Felder sind durchaus heterogen und sie reichen von der Künstlichen Intelligenz über Energiewirtschaft, Mobilität und Online-Handel bis zum Smart Government. Alle Kapitel der Teile 2 und 3 stellen Deutschland auch in Vergleiche und Beziehungen mit den USA und China. Die Auswirkungen und Herausforderungen für unser tägliches Leben sind im Kapitel 23 »Arbeitswelt in der digitalen Gesellschaft« nachzulesen.

Diese Betrachtungen und Analysen verdeutlichen eine Zwickmühle, in der sich Deutschland befindet. Wir sind einerseits einem Technologie- und Wirtschaftswettbewerb mit den USA und China ausgesetzt. Deutschland ist zwar insgesamt viel schwächer als diese beiden »Digital-Giganten«. Wir dürfen unseren [26]Standort aber auch nicht pauschal schlechtreden, denn in vielen Technologien, vor allem bei Grundlagen und im Fertigungsbereich sind wir stark. Über Siege und Niederlagen bestimmen aber nicht die Technologien allein. Wir werden sehen, dass das technologische Potenzial gewaltig ist. Entscheidend für den nachhaltigen Erfolg ist, wem es gelingt, diese als Erster in den Breitenmarkt zu tragen und sich dort als führender Spieler zu verankern. Dies bestimmen aber nicht die Technik und das unternehmerische Geschick allein, sondern auch die Rahmenbedingungen im Staat und in der Gesellschaft. In Deutschland sieht es nicht gut aus: Unsere digitale Infrastruktur liegt im OECD-Vergleich weit hinten, wir leisten uns die höchsten Strompreise weltweit. Unsere verbreitete Technik- und Industriefeindlichkeit steht im Gegensatz zur fortschrittgläubigen USA und dem aggressiven China. Verkrustungen in der Verwaltung, Überregulierungen, teure und langatmige Prozesse bei Behörden und systematische Abwehr gegen die Digitalisierung bremsen, ja blockieren unsere Entwicklung. Unser Schulsystem ist zu einem Versuchslabor verkommen. Die Ausbildung läuft am Bedarf vorbei: 2,7 Mio. Studenten stehen rund 1 Mio. gewerblich Auszubildende gegenüber. Unsere Politik hat versagt.

Die Schuld tragen aber nicht die Politik und die öffentliche Hand allein: Auch die Großindustrie und der Mittelstand mit seinen 3,6 Mio. Unternehmern müssen massiv nachlegen, denn deren Mehrheit bekennt, dass sie bei der Digitalisierung schwach ist und Digitale Geschäftsmodelle werden zu wenig gewagt, Mittelstand und Start-ups stehen sich zu oft mit Unverständnis gegenüber. Mit dem unternehmerischen Hebel, den Smart Data bietet, können viele Mittelständler wenig anfangen, künstliche Intelligenz stößt in der Breite der deutschen Wirtschaft immer noch auf Missverständnisse und Ablehnungen.

Zusammenfassend müssen wir konzedieren, dass Deutschland nicht nur dem Außendruck, vorwiegend aus den USA und China, standhalten muss, sondern dass innere Kräfte wirken, die ein zusätzliches Implosionsrisiko herbeiführen. Eine höchst gefährliche Mischung!

Antworten sind nicht leicht zu finden. Aber genaueres Hinsehen, besseres Verständnis und die Lokalisierung von Schwachstellen und Potenzialen können uns weiterhelfen, vor allem aber auch die Sicht nach außen: im Austausch zwischen Unternehmen, in der Zusammenarbeit zwischen Industrie und Verwaltung und vor allem auch die Sicht über die Landesgrenzen hinaus, besonders nach den USA und China. Dies alles soll dieses Buch liefern und damit einen Beitrag zur Orientierung.

In Teil 4, unter dem Titel »Folgerungen für die digitale Zukunft Deutschlands«, stellen wir Digitalisierungspfade aus der Perspektive führender Verbandsvertreter zur Diskussion. Das Buch schließt mit einer Zusammenschau von Anstößen zu einem »Digitalprogramm Deutschland«, basierend auf den zahlreich vorgestellten Untersuchungen, Modellen und Systematiken.


1 Gelegentlich wird in diesem Buch auch über die »Big Four« der Internet-getriebenen Industrie berichtet. Das sind die hier im Vorwort genannten Unternehmen, jedoch ohne Facebook Inc., die das gleichnamige soziale Netzwerk betreiben. Facebook wird dann ausgeschlossen wenn es um Geschäfte geht, die sich im Kern außerhalb der sozialen Netzwerke bewegen. Dann sprechen wir von den »Big Four« der Internet-getriebenen Industrie. Diese sind aber nicht zu verwechseln mit den »Big Four« der Wirtschaftsprüfer, wiederum alle aus den USA stammend: Deloitte, PwC (Pricewaterhouse Coopers), KPMG und EY (Ernst & Young). Auch diese Gruppe wird im vorliegenden Buch aus dem Aspekt der Digitalisierung behandelt.

[27]Danksagung

Dieses Buch wäre ohne die unzähligen Gespräche mit Freunden und Fachkollegen nicht zustande gekommen. Ich danke allen dafür. Auch den Kollegen im Bundesverband Mergers & Acquisitions sei zu danken, insbesondere im Arbeitskreis Digitalisierung. Nicht zu vergessen sind meine Co-Autoren des Praxishandbuches Industrie 4.0, mit denen bis heute ein lebhafter Austausch stattfindet.

Besonderer Dank gilt denen, die durch Rat, Fachgespräche und Durchsicht von Textteilen an diesem Buch mitgewirkt haben:

Dr. Dipl.-math. Helmuth Blaseio

Johann Renée Ebert

Martin Kügler

Prof. Dr. Reinhard Meckl

Dr.-Ing. Oliver Prause

Dr. jur. Thomas Sacher

Gerd Simon

Prof. Dr.-Ing. Ulrich Wagner

Ute Zinsmeister

Die vielfältigen Kontakte mit der jungen Generation erweiterten mir den Blick für Herausforderungen und Ideen zur digital getriebenen Industriegesellschaft. Besonders danke ich meinen Söhnen Hendrik, Severin und Konstantin, die ihren Weg als Wirtschaftsinformatiker, Software-Unternehmer bzw. als Unternehmensberater in digitale Welten gegangen sind, für zahllose Diskussionen und Anregungen.

Meiner Frau Martina danke ich für ihren Rat und die Geduld, die sie mir während der Recherche und Niederschrift entgegenbrachte.

Nicht zuletzt schulde ich dem Team des Schäffer-Poeschel Verlages Dank für hervorragende professionelle Betreuung, stellvertretend dafür dem Programmbereichsleiter Herrn Dr. Frank Baumgärtner und dem Lektoratsteam unter der Leitung von Claudia Dreiseitel.

München im Januar 2020, Kai Lucks

[29]Teil 1: Die Entwicklung der digitalen Welt